Aus dem Inhalt:

Geschichtliche Entwicklung des Feuerlöschwesens
Der Feuerlösch- und Rettungsverein
Von der Turnerfeuerwehr zur Berufsfeuerwehr
Die Modernisierung der Feuerlöschtechnik
Der erste Weltkrieg, die Nachkriegszeit und die Feuerwehr
Die Dresdner Feuerwehr im „Dritten Reich“
„Der Rote Hahn“ Volksschau für Feuerschutz und Rettungswesen 1935
Die Feuerwehr im Luftkrieg
80 Jahre Berufsfeuerwehr
Erneut der Polizei unterstellt
Mehr Farbe für die Feuerwehr
Tagung des Internationalen Komitees für vorbeugenden Brandschutz und Feuerlöschwesen (CTIF) Großveranstaltung auf dem Dresdner Altmarkt
125 Jahre Feuerwehr
Die Wende – das humanistische Grundanliegen der Feuerwehr überdauert die sozialistische Gesellschaft
1990 – ein entscheidungsvolles Jahr für die Berufsfeuerwehr
Freiwillige Feuerwehren der Stadt Dresden
Entwicklung der Einsatzfahrzeuge der Berufsfeuerwehr seit den fünfziger Jahren
Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr





Geschichtliche Entwicklung des Feuerlöschwesens in Dresden

Dresden, 1206 erstmals urkundlich erwähnt, ist wie andere größere Ansiedlungen und Städte im Laufe der Jahrhunderte oftmals von Bränden verwüstet worden. Eine der Hauptursachen der Feuersbrünste lag in der Art der städtischen Bebauung. Der am häufigsten verwendete Haustyp bestand aus einem Sockelfundament mit Holzaufbauten. Auf dem durch die Stadtmauer eingegrenzten Territorium schmiegten sich die Häuser eng aneinander. Diese lückenlose Reihung begünstigte das Übergreifen eines Feuers von Haus zu Haus. Hinzu kam, dass in jedem Haus brennbares Material, meistens in Reichweite des offenen Herdfeuers, gelagert wurde. Besonders Handwerker, die ständig zu ihrer Arbeit ein Herdfeuer brauchten, gefährdeten damit nicht selten ganze Stadtviertel.

Große Brände waren unter diesen Bedingungen immer auf der Tagesordnung, "und wenn der Feuerruf erscholl, da ging ein Schrecken durch alle Gemüter und in banger Eile wurden die wertvollsten Gegenstände zusammengerafft, um erforderlichen Falls in eiliger Flucht dem übermächtigen Gegner zu entrinnen". Der unmittelbare Zusammenhang zwischen Bebauung und Großfeuern wurde schon früh erkannt, erste Schritte hin zu einer systematischen Brandbekämpfung sind jedoch erst später, ab 14./15. Jahrhundert, nachweisbar, da Brände von der gläubigen Bevölkerung oft als eine Gottesstrafe empfunden wurden.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lebten in Dresden, in den Vorstädten und in Altendresden (der späteren Neustadt) etwa 6000 Menschen. Die älteste überlieferte Feuerlöschordnung für die Stadt Dresden stammt aus dem Jahre 1450. Der verheerende Großbrand von 1491 erfasste etwa die Hälfte der 470 Gebäude der Innenstadt. Dabei wurden auch die Kreuzkirche und die Kreuzschule zerstört. Dieses Ereignis bewirkte neben der neuen Feuerlöschordnung vom 14. Juni 1492 auch eine Veränderung der bisher gültigen Bauverordnung, die nunmehr stärker den Steinbau forderte und im Laufe der Zeit der Stadt ein völlig neues Gesicht gab.

Aus den erwähnten, meist nach Großbränden erneuerten Aufrufen und Erlassen hebt sich besonders die Feuerordnung von 1558 hervor. Sie wurde notwendig, da sich Dresden, seit 1547 Haupt- und Residenzstadt des Kurfürstentums Sachsen, vergrößert hatte und an Einwohnern beträchtlich gewachsen war. Außerdem hatte Kurfürst Moritz (1541 - 1553) im März 1549 Altendresden eingemeindet.
Die Feuerordnung ging von einer Aufteilung der Stadt in Viertel aus, wobei das zuletzt der Stadt zugeschlagene Altendresden ein sogenanntes fünftes Viertel bildete. Jedes Viertel besaß einen "Viertelsmeister", der in diesem Gebiet den "Gehorsam" hatte und für das Löschen von Bränden verantwortlich war. Brach nun ein Brand aus, so hatten die hier ansässigen Bewohner mit allen Löschgeräten - zumeist Eimern, Einreißhaken und Leitern - zur Brandstelle zu kommen. Pferdebesitzer hatten Pferde und Wagen zum Brunnen zu führen, um die mit Wasser gefüllten Bütten zur Brandstelle zu bringen.

In welchem Stadtteil Feuer ausgebrochen war, erfuhren die Bewohner vom Turm der Kreuzkirche. "Wenn nun, was Gott gnädiglich verhüte, an einem Ort ein Feuer aufging, soll der Hausmann auf dem Kreuztorm, so zur täglichen und nächtlichen Wache dorthin verordnet, aufs erste und fürchterlichste einen Glockenschlag tun, auch alsbald so es am Tag eine rote Feuerfahne, do es aber bei der Nacht eine Laterne mit brennenden Licht gegen dem Teil, in welchem Feuer ist, herausstecken oder hengen, hiernach man sich zu richten habe". Der das betreffende Stadtviertel regierende Viertelmeister eilte dann mit dem Stadtrichter, dem Stadtbaumeister und dem Gräbner (einem Tiefbaubeamten) zur Brandstätte und übernahm die Leitung.

Im Laufe der Zeit und belehrt durch unzählige Großbrände, besonders durch den in die Geschichte der Stadt eingegangenen schweren Brand vom 6. August 1685 in Altendresden, wurde die Löschordnung erneuert. Diese forderte nun die unbedingte und sofortige Verwendung aller verfügbaren Gerätschaften wie Feuerhaken, Sturmfässer und gepechte Löscheimer. Außerdem wurde laut Chronik erstmals in Deutschland auch der Einsatz der Schlauch- oder sogenannten Schlangenspritze befohlen. Diese Schlauchspritze, die hierzulande als absolute Neuerung galt, unterschied sich von den herkömmlichen Spritzen durch einen Schlauch, der das unbewegliche Wenderohr ersetzte und der es ermöglichte, das Wasser gezielter ins Feuer zu strahlen. Diese von Jan van der Heyde (Holland, 1637 - 1712) entwickelte Spritze mit Lederschläuchen war international erstmals 1673 bei einem Stadtbrand in Amsterdam eingesetzt worden. Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1686 - 1691) war einer der ersten Käufer dieser Spritze und wandte sich 1686 diesbezüglich an den Rat zu Dresden, um kundzutun: "Wir haben mit nicht geringen Unkosten eine große Schlangen-Brandspritze nebst Zubehör aus Holland einher geschafft und das Werk in seinen richtigen Zustand bringen lassen. Ihr, der Rat, wollet über die zum Brand bestellten Gewerkschaften gewisse Leute vorwählen und solche zur vorgeschlagenen Abrichtung am nötigen Ort gestelln".

Um die Spritze in Betrieb zu setzen, waren ständig mehrere Personen notwendig, die aus jedem Stadtviertel abgestellt werden mussten. Neben der Beschaffung des Wassers mittels Eimerketten waren Transport und Bedienung sehr aufwendig. Deshalb bat der Spritzenmeister um die Gewährung eines Abgabenerlasses für die diensttuende Mannschaft der Kurfürstlichen Spritze.

Die Feuerordnung von 1686 enthielt zwei Punkte, die den Weg zu einer entwickelten Feuer- und Brandschutzordnung wesentlich markierten. Es handelte sich einmal um die Bestimmung, dass diejenigen Bürger, die die Spritze bedienten und sich vornehmlich aus Maurern und Zimmerleuten rekrutierten, eine gewisse Ausbildung zu erfahren hätten und zu regelmäßigen Übungen zusammengerufen werden sollten. Zum anderen wurde vorgeschrieben, dass vierteljährlich die Feuerstätten zu besichtigen seien. Damit verbunden war die Pflicht zum Reinigen der Feuermauern, deren Nichtbefolgung bestraft wurde. Diese Arbeiten erledigten unter der Kontrolle der Schornsteinfeger herumziehende "Feuermauerkehrer". Der mit der Feuerordnung von 1686 erreichte Stand an Organisation war beachtlich und stellte einen großen Schritt zum gemeinschaftlichen Wirken der mittelalterlichen Stadtgemeinde im Kampf gegen Katastrophen und Brände dar.

In der neuen "Generalverordnung, wie in dero Kurfürstentum Feuersbrünste abzuwenden und wie bei deren Entstehung allenthalben sich zu verhalten" von 1719 wurde ein Großteil der bis dahin gültigen sächsischen Feuerordnungen zusammengefasst und der Entwicklung des städtischen Gemeinwesens angepasst. Besonderes Augenmerk wurde auf den vorbeugenden Brandschutz gelegt. Bei Strafe wurde verboten, feuergefährliche Stellen mit offenem Licht und brennenden Wachsstöcken zu betreten und Kien- oder Brennspäne als Leuchtgerät zu verwenden. Mindestens aller vier Wochen waren Feuermauern, Rauchfänge, Rußlöcher, die Brau-, Mall- und Darrhäuser sowie Backöfen zu visitieren und zu reinigen.

Die Verordnung vom 17. August 1739 (Dresden zählte bereits um 50 000 Einwohner) sah die Bildung von zwei Feuerwehrkorps vor, die sich aus Handwerkern zusammensetzten. Die Aufgabenverteilung in diesen Korps sah folgendermaßen aus:
Die Spritzen waren von Schlossern, Schmieden und Wagenbauern zu bedienen. Sie wurden von drei Inspektoren angeleitet. Diese waren Ratsherren mit besonderer Verantwortung für die Brandschutzkontrolle. Die Schläuche führten Schuster, Kürschner und Sattler, alle aus dem lederverarbeitenden Gewerbe, ihnen zur Seite standen zwei Inspektoren. Die Löschtrupps setzten sich aus Zimmerleuten, Maurern, Gläsern, Töpfern und Schneidern zusammen. Als Wasserbüttenträger schienen Fischer, Büttner, Tischler und Tuchbereiter besonders geeignet, für das Aufstellen der Leitern die Drechsler, Beutler und Tagelöhner. Mit den Einreißhaken konnten angeblich Scherer und Hutmacher am besten umgehen.

Der Feuerlösch- und Rettungsverein

So war es höchste Zeit, als am 23. Februar 1835 im Saale des Manteufelschen Brauhauses eine öffentliche Versammlung stattfand, bei der zum Wohle der Gemeinde Friedrichstadt ein Feuerlösch- und Rettungsverein mit dem Ziel gegründet wurde, mehr Ordnung in das Feuerlöschwesen zu bringen. Selbständige Bürger, vor allem Handwerker, Mitglieder der "Communalgarde" und andere achtbare Einwohner, wurden zu Mitgliedern ernannt. Den Vorsitz dieses Vereins übernahm am 20. August 1835 Johann Gottfried Lehmann, dessen Lebensdaten nicht näher bekannt sind. Lehmann setzte sich das Ziel, unter allen Umständen mehr Ordnung in das Feuerlöschwesen zu bringen. Trotzdem schienen sich ihm Schwierigkeiten in den Weg gelegt zu haben. Von einem zielbewussten Aufbau des Löschwesens konnte so bis um 1850 nicht gesprochen werden.

Auch die am 13. Dezember 1848 herausgegebene neue Feuerlöschordnung entsprach in keiner Weise den Bedürfnissen einer Großstadt. Zu diesem Zeitpunkt zählte Dresden ca. 95 000 Einwohner und war die größte Stadt des Königreiches Sachsen. Der unbefriedigende Zustand des Löschwesens ließ erkennen, dass sich eine solche Institution nicht über längere Zeit an starre Normen binden lässt, sondern abhängig vom Wachstum der Stadt, ihrer baulichen Entwicklung, der Ausbreitung der Industrie und den gebotenen technischen Möglichkeiten immer weiter vergrößert und den realen Verhältnissen angepasst werden musste.

Auszüge aus einem Vortrag des Brandmeisters Herrmann aus dem Jahre 1856 verdeutlichen am besten die damalige Situation:
"Die vorerwähnte Feuerlöschordnung legt die Leitung der Löschanstalt in die Hände eines Feuerlöschdirektors und zweier Stellvertreter. Den Befehlen des Feuerlöschdirektors unterstehen die Feuerkompanie, die Chaisenträger, die Schornsteinfeger, die Laternenwärter und die Löschmannschaften. Die Feuerkompanie besteht aus 48 Mann, meistens Bauhandwerkern. welche im Dienst ein schwarzes Hemd und einen Filzhut mit Metallbuchstaben F. C. zu tragen haben und allnächtlich 9 Mann im Altstädter Rathaus und 3 Mann im Neustädter Rathause Feuerwache zu beziehen haben. Die andere Mannschaft ist dienstfrei, muss sich aber bei Feuersignal sofort auf die Brandstelle begeben, wo sie in Zeugwagen ihre Ausrüstung und Werkzeug findet.

Das öffentliche Feuergerät besteht in 2 Chaisenträgerspritzen, der Anton- und Friedrichstädter Spritze, 6 Stadtspritzen, 10 Districtspritzen und der Neudörfer Spritze mit allem Zubehör, im Ganzen also 21 Spritzen. Die 6 Stadtspritzen sind bemannt mit je 1 Spritzenmeister und 22 Mann, welche sich aus hiesigen Bürgern und geeigneten Einwohnern zusammensetzen. Die 10 Districtspritzen verteilen sich in den verschiedenen Stadtgemeinden und sind ähnlich bemannt wie die Stadtspritzen. Die Bespannung der Spritzen hat auf Aufforderung jeder Pferdebesitzer sofort zu stellen. Die zwei vorhandenen Zugwagen enthalten Rettungsleitern und Apparate, Feuerhaken, Feuereimer usw., sowie die Bekleidung für die Feuerkompanie. Der Eimerdienst ist in 6 Abteilungen mit 84 Rotten zu 11 Mann, im Ganzen 924 Mann über die ganze Stadt verteilt.Zur Besetzung der Brandstelle, Absperrung der Straßen gegen den Andrang müßiger Zuschauer, für Bewachung benachbarter Häuser und geretteter Effekten leistet zunächst die Communalgarde Hilfe, welche erforderlichenfalls durch Militär verstärkt wird und unter den Befehlen des Gouvernements steht.

Signalisiert werden ausgebrochene Brände durch Anschlagen der großen Uhrschelle auf dem Kreuzthurme und der großen Glocken auf dem Annenthurme und der Neustädter Kirche. An diesen Glocken werden in gewissen Intervallen l - 6 Schläge getan je nachdem das Feuer in der inneren Stadt oder in einer der Vorstädte ausgebrochen ist. Zugleich wird die Richtung des Feuers vom Thurmwächter des Kreuzthurmes am Tage durch Ausstecken einer roten Fahne, nachts durch eine brennende Laterne bezeichnet.

Die Meldung vom Kreuzthurme nach dem Rathause wird durch ein großes Sprachrohr bewirkt. Bricht in der Zeit eines signalisierten Feuers ein zweites aus, so werden beide mit Zwischenräumen angeschlagen, das zweite jedoch mit der kleinen Glocke und die auszusteckenden Fahnen und Laternen werden, wenn das Feuer in derselben Richtung ist, übereinander gesteckt. Die vom Thurme gegebenen Signale haben bei Nachtzeit die Nachtwächter durch Stöße in das Hörn zu wiederholen; ebenso haben Tamboure und Signalisten der Militärwachen und der Communalgarde die üblichen Feuerlärmsignale zu geben. Die Feuerlöschordnung stellt fest, wie sich Bürger und Einwohner und besondere Gewerbe beim Ausbruche von Bränden zu verhalten haben, belohnt diejenigen, welche einen Brand zur Anzeige bringen, bestraft denjenigen nach Befinden mit 100 Thalern, welcher einen Brand verheimlicht, ordnet den Dienst des Wasserinspektors, der Röhrmeister, die Hilfeleistung der Nachbarn, verbietet das Erscheinen auf der Brandstelle zu Pferde, bestimmt, dass die gebrachte Löschhilfe unentgeltlich zu leisten ist und regelt endlich weiter die Auseinanderhaltung und Zurückgabe des verschiedenen Feuerlöschgerätes nach einem stattgehabten Brande."

Das hier gezeichnete Bild unterstreicht, dass das Feuerlöschwesen in Dresden dringend der Reorganisation bedurfte. So wurde noch im Jahr 1859 eine Deputation aus Stadträten und Stadtverordneten gewählt und mit dieser Aufgabe betraut. Nach längeren Verhandlungen erhielt im November 1860 der in den Ruhestand versetzte Stadtverordnete und ehemalige Stadtrat und Dezernent der Feuerlöschanstalt, Advokat Teucher, vom Rate den Auftrag, einen Reorganisationsplan für das städtische Feuerlöschwesen zu erarbeiten. Im Ergebnis entstand ein mit Plänen und Anlagen versehener "Vortrag" über die Organisation einer Feuerwehr für die Königliche Residenz- und Hauptstadt Dresden. Vorbild dafür waren gleichartige Einrichtungen in Berlin und Wien. Am 15. April 1862 wurde das Dokument der gemischten Deputation zur Beratung übergeben.

Von der Turnerfeuerwehr zur Berufsfeuerwehr

Am 28. Februar 1863 hatte aber auch der Turnrat des Altstädter Turnvereins dem Rat ein Grundgesetz und Disziplinarbestimmungen für eine aus seinen Mitgliedern bestehende Turnerfeuerwehr eingereicht, die freundliche Aufnahme fand. Die Turnerfeuerwehr entwickelte sich nach Aussagen von Zeitgenossen sehr schnell zu einem Institut, "welches durch strenge Disziplin und regen Fleiß sich tüchtig ausbildete und fähig wurde, auf dem Brandplatze unter der Leitung ihrer selbstgewählten Führer und des Feuerlöschdirektors Tüchtiges zu leisten".
Bei der weiteren Organisation des Feuerlöschwesens in Dresden hielt man nun an einem gemischten System fest, indem man am 1. Juli 1868 ein "ständiges Berufsfeuerwehrcorps" einführte und gemeinsam mit der freiwilligen Turnerfeuerwehr unter das Kommando eines Feuerlöschdirektors stellte. Die Zahl der Berufsfeuerwehrleute beschränkte sich zunächst auf zehn, wurde aber bis zum Jahre 1880 (zum 11. Deutschen Feuerwehrtag in Dresden) auf 96 Mann verstärkt.

Am 1. August 1866 wurde der damalige Kommandant der Turnerfeuerwehr, Gustav Ritz, als städtischer Branddirektor angestellt. Unter seiner Leitung wurden die Dresdner Feuerlöscheinrichtungen völlig neu organisiert und erweitert. Am 31. Juli 1881 wurde laut Ratsbeschluss das Stürmen (Glockenläuten) auf den Kirchtürmen eingestellt. Dadurch war ein Alarmieren der Turnerfeuerwehr nicht mehr möglich, so dass diese sich am gleichen Tage auflöste.

Zu diesem Zeitpunkt bestand die Berufsfeuerwehr aus einem Brandmeister und 96 Ober- und Feuerwehrmännern und war nunmehr allein für das Löschwesen der Stadt verantwortlich. Um für außergewöhnliche Fälle eine Reserve bzw. Aushilfe zu haben, wurde 1883 zwischen dem Rat und dem Königlichen Kriegministerium ein Vertrag geschlossen wonach "... sich die Feuerlöschanstalten der Stadt Dresden und der Albertstadt gegenseitig auf Requisition und nach Bedarf volle Hilfe zu leisten haben".

Die Auflösung der Turnerfeuerwehr, die Ausdehnung der Stadt durch Eingemeindungen und das rasche Wachstum der Einwohnerzahl (1850 bis 1875 von 100 000 auf 200 000) machte in längeren Zeitabständen mehrmals eine Erhöhung der Mannschaftszahl notwendig. 1893 kann man in einem Bericht zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen der Berufsfeuerwehr lesen:
"Die hiesige städtische Feuerwehr setzt sich gegenwärtig zusammen: aus einem Branddirektor, einem Brandmeister, einem Feldwebel, 16 Oberfeuerwehrleuten und 116 Feuerwehrleuten. Der bespannte Ausrückefahrpark besteht aus 2 Schlauchwagen, 3 Mannschaftswagen, 11 Spritzen, 2 Maschinenleitern und 1 Landspritze.

Außerdem sind noch einige Reservewagen sowie die kleinen Handgerätewagen der Bezirkswachen verfügbar. Die Einverleibung von Strehlen und Striesen, welch` letzterer Vorort zur Zeit noch eine freiwillige Feuerwehr besitzt, wird wahrscheinlich, da gerade diese Vororte sich noch bedeutend auszubreiten scheinen, in nicht allzuferner Zeit eine weitere Vergrößerung der Feuerlöschanstalt erfordern. Immerhin ist die Zahl der Mannschaften, mit derjenigen annähernd gleichgroßer Städte verglichen, eine geringe. Dieses Verhältnis hat aber seinen hauptsächlichen Grund in der im Jahre 1875 eröffneten vorzüglichen Hochdruckwasserleitung, welche den Gebrauch von Spritzen und damit die Erfordernis einer größeren Zahl von Bedienungsmannschaften im Stadtgebiet überflüssig gemacht hat".

Die im Dienst befindlichen Mannschaften waren auf zwei Hauptwachen, fünf Nebenwachen und eine Theaterwache verteilt. Für die beiden Hauptwachen wurde gegen Entschädigung Pferdebespannung durch den städtischen Marstall gestellt, durch welche die Mannschaft und die Geräte zur Brandstelle gebracht wurden. Die fünf Nebenwachen waren nur zur ersten Hilfe in allernächster Nähe bestimmt, und die Geräte mussten durch die Mannschaften selbst zum Brandplatz gebracht werden. Diese Einrichtung wurde als unzureichend und veraltet erkannt und 1896 ausgelöst. Dafür wurde eine "bespannte" Wache an der Dürerstraße errichtet.

Die Altstädter Hauptwache (seit 1877) im Stadtzentrum in der Annenstraße 9 gelegen, war ein geräumiges Grundstück, welches die nötigen Baulichkeiten zur Unterbringung der Mannschaften und Pferde, der Geräte und der Telegrafenzentrale sowie einen Steiger- und Schlauchtrockenturm beherbergte. Die Hauptwache der Neustadt (seit 1804) in der Louisenstraße 14/16 verfügte über ähnliche Räumlichkeiten, allerdings in geringerer Anzahl und Größe.

Die Wachen waren untereinander durch die von der Zentrale in der Altstädter Hauptwache ausgehenden zwölf unterirdischen Kabelkanäle in einer Gesamtlänge von 51558 Meter verbunden. In diese Kanäle waren 65 Sprechstationen, darunter 59 öffentliche Feuermeldestellen und zwei Feuermelder, eingeschaltet.

Die Stadt war in zwei Löschbezirke eingeteilt:Löschbezirk 1, links der Elbe. und Löschbezirk 2, rechts der Elbe. Bei einlaufenden Feuermeldungen rückte jede Hauptwache selbständig aus, die andere blieb nur kurze Zeit in Ausrückebereitschaft. Eine Ausnahme bildete die Zentralwache, welche in der Hauptwache 1 untergebracht war, aus einer bespannten und bemannten Spritze bestand und zu jedem Feuer, also auch nach dem Löschbezirk 2, ausrückte. Dies geschah, um für alle Fälle eine Spritze an der Brandstelle zur Verfügung zu haben.
Bei einer gewöhnlichen Feuermeldung rückte eine der Hauptwachen mit einem bespannten und bemannten Schlauchwagen, einem Personenwagen, einem Gerätewagen und einer Abprotzspritze aus. Diese Fahrzeuge brachten den Branddirektor oder Brandmeister, eventuell auch beide, und einen Feldwebel sowie vier Oberfeuerwehrmänner und 22 Feuerwehrmänner zur Brandstelle. An Geräten führten sie 1015 Meter Schlauch mit zehn Strahlrohren, vier Hydrantenaufsätze, vier Hakenleitern, eine tragbare Schiebeleiter (12 Meter hoch), einen Seilrettungsapparat, zwei Sprungtücher, ein Rutschtuch, zwei Rauchapparate, Fackeln und Laternen sowie eine große Menge Zimmerer, Maurer-, Schlosser- und sonstiges Brech- und Aufräumwerkzeug mit.

Bei einer Großfeuermeldung erhöhte sich der Mannschaftsbestand durch Zurücken der zweiten Hauptwache und der Nebenwachen auf 70 bis 80 Mann, die genannten Geräte verdoppelten sich und es kamen noch zwei fahrbare Schiebeleitern mit einer Höhe von 17 Meter und 24 Meter hinzu. Bei sehr gefahrvollen Bränden konnte zusätzlich die Militärfeuerwehr eingesetzt werden. Für die Absperrung des Brandplatzes sorgte die Königliche Polizei, die bei größeren Bränden ebenfalls durch das Militär unterstützt wurde.



Die Modernisierung der Feuerlöschtechnik in Dresden



Neben der vorzüglichen Organisation der Berufsfeuerwehr verließ sich der Rat vor allem auch auf die bereits erwähnte Hochdruckwasserleitung. Als 1875 der Ingenieur Salbach sein neugeschaffenes Wasserwerk "Saloppe" der Stadt zur Nutzung übergab, wurde damit auch die Löschwasserversorgung Dresdens modernisiert. Salbach hatte in Abständen von 100 Meter "Feuerhähne" (Hydranten) auf der Wasserleitung anbringen lassen. Durch Aufsetzen der Standrohre konnten nunmehr Schlauchleitungen mit einem Wasserdruck von drei bis fünf Atmosphären bis an den Brandherd herangeführt werden.

Der Rat hoffte nun, gegen alle Vorkommnisse bei Feuersnot gewappnet zu sein. Mann war der irrtümlichen Meinung, der „Hydrantendruck“ reicht zum Bekämpfen eines Brandes aus. Spätestens der Kreuzkirchenbrand am 16. Februar 1897 belehrte ihn nachhaltig eines Besseren. Die von Feuerlöschdirektor Ritz wiederholt beantragte Anschaffung von Dampfspritzen war nicht beachtet worden. Nun wurden noch im gleichen Jahr die erste und kurz darauf die zweite pferdebespannte Dampfspritze geliefert. Sie war ausgerüstet mit einer Dreizylinder-Dampfmaschine und konnte saugen und drücken. Ihre Leistung betrug 1500 l/min; sie benötigte fünf Mann Besatzung.



Die Löschwasserversorgung Dresdens war damit auch in schwierigen Fällen gesichert, zumal 1903 noch eine mobile Dampfspritze angeschafft wurde, der 1905 eine zweite folgte. Diese selbstfahrende Spritze besaß zwei Dampfmaschinen mit einem gemeinsamen Dampferzeuger. Eine Maschine verlieh dem Fahrzeug über Kettenantrieb eine Fahrgeschwindigkeit von etwa 30 km/h. Die zweite Maschine bewegte eine Kolbenpumpe mit einer Förderleistung von 1500 Litern Wasser in der Minute.
Die Wasserwurfweite betrug ca. 60 Meter. Zur Besatzung gehörten sechs Mann und ein Kesselfeuermann.

Anlässlich der in Dresden durchgeführten Probefahrten mit Automobilen für Feuerwehrzwecke schreibt der "Dresdner Anzeiger" vom April 1903:"Das jetzt die Straßen durchfahrende Braunsche Automobil ist ein geräumiger Mannschaftswagen, der auf einem Oberbau Leitern und am Hinterwagen eine Schlauchwelle führt. Der Betrieb geschieht durch Elektrizität und hat sich bisher tadellos gezeigt. Bei den Probefahrten hat sich eine ausgezeichnete Bremsvorrichtung hervorgetan, die das in rascher Fahrt befindliche Fahrzeug auf denkbar schnellste Weise vor einem plötzlich in den Weg kommenden Menschen oder Wagen zum Halten brachte. Noch weitergehendes Interesse wird die automobile Dampf spritze hervorrufen, an der alle neueren Erfindungen verwertet sind. Bei dieser Maschine ist es nicht mehr notwendig, den Kessel stets unter Dampfspannung zu halten, sondern es wird Kohlensäure als erste Antriebskraft zum Fahren verwendet. Eine geradezu raffiniert zu nennende Feuerungsmethode mit Glühstoff' unter Verwendung von Spiritus erzeugt binnen Minuten eine ausreichende Dampf-Betriebskraft, wobei sogar die jetzt bemerkbare Qualmentwicklung während der Fahrt in Wegfall kommt.“

Diese Löschfahrzeuge prägten über viele Jahre das Bild der Dresdner Feuerwehr, obwohl inzwischen anderenorts bereits die Motorspritze zum Einsatz gelangt war. Die Stadtväter Dresdens fassten erst im März 1914 den Beschluss, die Feuerwehr zu motorisieren. Diese Entwicklung sowie die Ausführung von Plänen für den besseren Feuerschutz der südlichen und westlichen Stadtteile (vom Räcknitz-Zschertnitzer Höhenzug über Plauen und Wölfnitz bis zur Elbe bei Cotta) wurden jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges behindert. Erst im April und August 1916 wurden die ersten beiden Motorspritzen angeschafft. Sie beförderten je 1800 Liter Wasser in der Minute.

Der erste Weltkriege, die Nachkriegszeit und die Feuerwehr in Dresden

Vor Beginn des Krieges wies die Berufsfeuerwehr der Stadt einen Personalbestand von 311 Beamten und 301 Mannschaften auf. Mit Beginn desselben wurden alle Offiziere und 180 Mannschaften zum Wehrdienst eingezogen.

1917 zählte Dresden ausschließlich der Albertstadt 565 144 Einwohner, auf einer Fläche von 6 808,8 Hektar befanden sich 13 516 Gebäudekomplexe. Im Dienste der Feuerwehr standen ein Branddirektor, zwei Brandinspektoren, sieben Brandmeister, drei Feldwebel, 49 Oberfeuerwehrmänner und 241 Feuerwehrmänner.

An Kraftfahrzeugen standen vier Benzinmotorspritzen von Opel, ein Mannschafts- und Schlauchwagen von Dürrkopp, zwei Dampfspritzen von Busch, zwei Schlauch-, ein Geräte- und ein Arbeitswagen von Adler, drei Offizierswagen von Dürrkopp, eine elektrische Leiter von Magirus, zwei Benzindreiräder und zwei Benzinkrankenwagen zur Verfügung. Für den Krankenbeförderungsdienst kamen zwei Kraftkrankenwagen, fünf Krankenwagen und vier pferdebespannte Krankendroschken zum Einsatz. Die Zahl der "Feuerhähne" betrug Ende 1917 4 526 Unterflur- und 30 Oberflurhydranten.

Nach dem Ersten Weltkrieg vollzog sich eine qualitative Veränderung in der Aufgabenstellung und in der technischen Ausrüstung der Feuerwehr. Die bis dahin einseitige Orientierung auf die Brandbekämpfung wurde durch die Übernahme des Rettungswesens und vielseitiger technischer Hilfeleistungen erweitert. Blättert man in zeitgenössischen Quellen, so gehörten dazu u.a. "... das Eingreifen der Feuerwehr bei Hochwasser und anderen Vorkommnissen im täglichen Leben wie Gasvergiftungen, Aufheben gestürzter Pferde und das Wiedereingleisen entgleister Straßenbahnwagen oder verunglückter Fuhrwerke".

Die Landeshauptstadt Dresden verfügte nunmehr über fünf Feuerwachen (die Hauptfeuerwache Annenstraße, die Feuerwachen Neustadt - Louisenstraße, Striesen - Schlüterstraße, Pieschen - Bürgerstraße und Löbtau - Wallwitzstraße). Auf diesen Wachen standen zu jeder Tages- und Nachtzeit sechs in ihrer Ausrüstung und Besatzung völlig gleiche Normallöschzüge, ein Löschzug für Großbrand- und Überlandlöschhilfe sowie Sonderfahrzeuge wie Geräte- und Schlauchwagen in voller Alarmbereitschaft.
Durch die abgeschlossene Automobilisierung aller Löschzüge und Sonderfahrzeuge und die damit verbundene Indienststellung modernster Feuerlöschgeräte, Motorspritzen und Motorleitern wurden die Leistungsfähigkeit und der Aktionsradius der einzelnen Feuerwachen enorm vergrößert. Die Personalstärke der Berufsfeuerwehr betrug nun einschließlich des Telegrafen- und Sanitätspersonals, der Reserven und dienstfreien Beamten: ein Branddirektor, vier Amtsbauräte, sieben Brandmeister, 46 Feuerwehrmeister und 250 Feuerwehrmänner. Daneben standen in den entfernteren, 1921 eingemeindeten Stadtteilen noch acht freiwillige Feuerwehren mit ca. 300 Mann zur Verfügung. Der Fahrzeugpark der Berufsfeuerwehr einschließlich aller Reservefahrzeuge zählte 44 Kraftfahrzeuge, davon elf Motorspritzen mit je 75 PS und Zentrifugalpumpen von je 1500 - 2000 l/min, sieben Motorleitern mit je 75 PS und 28 Meter hohen Schiebeleitern mit vollautomatischem Antrieb, vier Schlauch- und Gerätewagen, acht sonstige Dienst- und Arbeitswagen, acht Kranken-Kraftwagen und sechs Motorräder mit Beiwagen.

Jeder Normallöschzug bestand aus einer Motorspritze und einer Motorleiter mit 17 Mann Besatzung, ausgerüstet mit einer Zentrifugalpumpe, 650 Meter Schlauchleitung, vier Hakenleitern und einer dreiteiligen Steckleiter, zwei Rauchschutzapparaten, einem Wiederbelebungsapparat, einer Apotheke, einem Sprungtuch sowie Beleuchtungs- und Räumgeräten. Der gesamte Schlauchbestand für die Berufsfeuerwehr betrug 18 000 Meter gummierte Hanfschläuche. Daneben waren noch 11 300 Meter rohe Hanfschläuche für freiwillige Feuerwehren verfügbar.

Bemerkenswert ist auch der Einsatz von Motorrädern mit Beiwagen (7,2 PS). Sie rückten mit Sauerstoff- und Wiederbelebungsgerät und drei Mann Besatzung bei allen Fällen von Gasvergiftung aus. Diese traten in der Nachkriegszeit immer häufiger auf und machten schließlich rund 40 Prozent aller Alarme aus.
Der Betrieb dieser Motorräder war besonders wirtschaftlich und auch sonst vorteilhaft. weil bei derartigen Hilfeleistungen die eigentlichen Löschfahrzeuge nicht aus der Alarmbereitschaft genommen werden mussten. Der Feuerwehr standen außerdem noch mehrere Pionierpontons zur Verfügung, die im Bedarfsfall von Feuerwehrfahrzeugen geschleppt und zu Hilfeleistungen bei Überschwemmungen und Wassernot eingesetzt wurden.

Schließlich wurde im Februar 1928 noch ein Feuerlöschboot in Dienst gestellt, um auch für große Brände an der Elbe gerüstet zu sein. Das Boot, das auf der Schiffswerft Hamburg-Finkenwerder gebaut worden war, hatte eine Länge von 16 Meter, eine Breite von 3,5 Meter und einen Tiefgang von nur 58 Zentimeter. Es war mit zwei Maybach-Bootsmotoren von je 100 PS ausgerüstet. Die Motoren trieben je eine Schraube und Pumpe. Die Pumpenleistung betrug zusammen 4 000 l/min und warf einen Wasserstrahl bei acht Atü Druck 80 Meter hoch. Durch Zwischenschaltung zweier Motorspritzen konnte das Boot bis zu 2 000 Meter vom Ufer entfernte Brandherde wirkungsvoll bekämpfen.

Wie bereits angedeutet, wurden auch das Unfall- und Krankenbeförderungswesen und der Betrieb der öffentlichen Sanitätswachen für erste Hilfeleistungen von der Berufsfeuerwehr übernommen. Die Zentralisierung des Krankenbeförderungsbetriebes in der aufgelösten Feuerwache Johannstadt, die Angliederung der öffentlichen Sanitätswachen an die Feuerwachen und die Bereitstellung des an Alarmbereitschaft gewöhnten Sanitätspersonals der Feuerwehr für diese Zwecke hatten sich als vorteilhaft erwiesen.

Auch das Feuermeldewesen erfuhr auf Grund der umfangreichen Eingemeindungen im Jahre 1921 eine erhebliche Erweiterung. Es bestand danach aus zwanzig Meldeschleifen mit 319 öffentlichen Feuermeldern und 35 automatischen Nebenmeldern in Warenhäusern, Theatern, Speichern, Fabriken und öffentlichen Gebäuden. Das Leitungsnetz hatte eine Länge von 274 Kilometer.

Der Einsatz und die Beschäftigung des Personals der Berufsfeuerwehr, dessen 24-Stunden-Dienst mit 24 Stunden Freizeit wechselte, wurde vielseitiger und wirtschaftlicher gestaltet. Neben dem eigentlichen Feuerwach- und Bereitschaftsdienst wurden die Feuerwehrmänner in bestimmtem Turnus zum Telegrafendienst, zu Sicherheitswachen in Theatern, zum Krankenbeförderungsdienst und als Sanitäter in den Sanitätswachen herangezogen. Darüber hinaus wurden sie während des Feuerwachdienstes entsprechend ihrer Vorbildung und Eignung in den verschiedenen Werkstätten der Berufsfeuerwehr als Schlauchmacher, Tischler, Schlosser, Mechaniker, Stellmacher, Schmiede, Buchbinder, Steindrucker u.a. beschäftigt. Auch die Wartung und Reparatur der Kraftfahrzeuge wurde in eigens dafür eingerichteten Werkstätten vom Personal während des Feuerwachdienstes vorgenommen. Über die Tätigkeit der Dresdner Berufsfeuerwehr bei Bränden und Hilfeleistungen gibt die nachstehende Tabelle Auskunft.

Die Jahresberichte der Berufsfeuerwehr zeigen, dass die Anzahl der Brände im Vergleich zur Vorkriegszeit annähernd gleich geblieben ist. Dagegen ist die Zahl der Gasvergiftungen um ca. 200 Prozent gestiegen.

Zu den Aufgaben des Feuerwehr- und Polizeiamtes gehörten außerdem noch die Überwachung des Schornsteinfegerwesens und vor allem auch der vorbeugende Brandschutz (Feuerpolizei).





Zu den Aufgaben des Feuerwehr- und Polizeiamtes gehörten außerdem noch die Überwachung des Schornsteinfegerwesens und vor allem auch der vorbeugende Brandschutz (Feuerpolizei).

Die Dresdner Feuerwehr im „Dritten Reich“

Die gesellschaftlichen Veränderungen, die sich durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland vollzogen, brachten auch einschneidende Veränderungen im Feuerlöschwesen. Das "Preußische Gesetz über das Feuerlöschwesen" vom 15. Dezember 1933 führte zu einer Vereinheitlichung des Feuerschutzes in ganz Deutschland. Die Berufsfeuerwehr wurde zur "Feuerlöschpolizei" und als Polizeitruppe nach militärischen Prinzipien geführt.

In Dresden wurde das bisherige Feuerwehr- und Feuerpolizeiamt am 1. August 1933 unter der Bezeichnung "Feuerwehr und Feuerpolizei" dem neugebildeten Stadtbauamt 11 angegliedert. Am 1. April 1934 wurde es dem Stadtpolizei- und Personalamt unter Leitung des Bürgermeisters Dr. Kluge unterstellt, der zugleich das Dezernat Feuerwehr leitete. Nach dem Erlass des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1934 kam es durch Entlassungen zu einer Verringerung der Etatstärke der Berufsfeuerwehr. Am 31. März 1934 betrug sie 303 Mann für das Feuerlöschwesen und 28 Mann für das Krankenbeförderungs- und Sanitätswesen. Die Fehlstellen wurden allerdings durch Neueinstellungen bald wieder besetzt.
Laut Verwaltungsbericht des Feuerwehr- und Feuerpolizeiamtes für das Jahr 1934 wurden der Feuerschutz sowie der Hilfeleistungs- und Krankenbeförderungsdienst in der Stadt Dresden durch die Berufsfeuerwehr und sieben freiwillige Feuerwehren sichergestellt. Es gab fünf Berufsfeuerwachen mit sechs Zweifahrzeug-Löschzügen und eine Krankenbeförderungszentrale.

In den Jahren 1931 bis 1935 wurde auch der Fahrzeugpark erweitert und modernisiert. Das war dringend notwendig, da ein Teil der Löschfahrzeuge bereits vor dem Ersten Weltkrieg, ein Teil während der Kriegsjahre beschafft und in Dienst gestellt worden war. Der Fahrzeugbestand der Dresdner Feuerwehr betrug am 31. März 1935 insgesamt 75 Fahrzeuge, davon allein neun neue Motorspritzen und sechs neue Motordrehleitern.

Das Gros der Fahrzeuge befand sich mit Ausnahme der Kranken- und Unfallwagen auf der Feuerwache Altstadt, die restlichen waren auf den anderen vier Feuerwachen stationiert. Ein Blick in die Statistik des Jahres 1934 gibt Auskunft über den Einsatz der Berufsfeuerwehr. Darin heißt es: Im Berichtsjahre ist die Feuerwehr insgesamt zu 1270 Ereignissen alarmiert worden, davon

Zu Bränden 430 Mal,

zu Hilfeleistungen 349 Mal,

zu Sauerstoffhilfeleistungen 337 Mal,

zu blinden Alarm 154 Mal, davon 47 Mal wegen Unfugs,

zusammen 1270 Mal.

Das Feuerlöschboot kam 1934 13 Mal bei Bränden und Hilfeleistungen, speziell zur Lebensrettung, zum Einsatz (seit seiner Indienststellung insgesamt 139 Mal).

Der Krankenbeförderungsdienst, der über zehn Krankenwagen und zwei Totentransportwagen verfügte, kam 12 253 Mal im Stadt- , 301 Mal im Landgebiet und 109 mal für Totentransporte zum Einsatz und legte dabei 147 649 km zurück.
Die Gesamtzahl der Alarmierungen der einzelnen Wachen betrug 1389, bei gewissen Ereignissen wurden aber zwei oder mehr Löschzüge alarmiert. Es entfielen hiervon auf

die Hauptwache (Altstadt) seit 1877, Annenstraße 9 552 Alarmierungen,
die Wache Neustadt (Neustadt) seit 1874, Louisenstraße 14-16 306 Alarmierungen,
die Wache Striesen seit 1898, Schlüterstraße ? 231 Alarmierungen,
die Wache Löbtau, Wallwitzstraße 161 Alarmierungen,
die Wache Pieschen, Bürgerstraße 63 139 Alarmierungen,
insgesamt 1389 Alarmierungen.
Die Feuerwache Johannstadt, Dürerstraße wurde als reine Sanitätswache umstrukturiert.

Am 26. Juni 1935 beschloss die Reichsregierung das Luftschutzgesetz. nach dem auch die Feuerwehren in den Rahmen des Luftschutzes eingegliedert wurden. Sie waren damit ein wesentlicher Bestandteil des sogenannten Sicherheits- und Hilfsdienstes (SUD), der zur Abwehr der Wirkungen von Luftangriffen aufgestellt wurde. Auch hier lag die "Gesamtführung im Kriege wie im Frieden" bei der Polizei.

In der Feuerwehr-Verbandszeitung vom 15. August 1935 kann man unter der Überschrift: "Die Feuerwehr im Luftschutz" lesen: "Da bei dem heutigen Stande der Luftwaffen damit gerechnet werden muss, dass ein künftiger Krieg nicht erst nach förmlichen Kriegserklärungen, sondern überfallartig eröffnet wird, muss der für den Krieg vorgesehene Aufbau der Feuerwehren bereits im Frieden angenommen und soweit wie möglich durchgeführt werden".

„Der Rote Hahn“ - Volksschau für Feuerschutz und Rettungswesen in Dresden 1935

Die Stadt Dresden hatte sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts neben München zu dem bedeutenden Ausstellungszentrum Deutschlands entwickelt. Seit Errichtung des Ausstellungspalastes im Jahre 1896 am Stübelplatz fanden ein- und häufig sogar zweimal im Jahr große Ausstellungen statt. Die großen wirtschaftlichen Erfolge, die die Jahresschauen der zwanziger Jahre für Dresdner und sächsische Unternehmen brachten. waren Anlass, 1934 diese Tradition neu zu beleben. Oberbürgermeister Ernst Zörner eröffnete 1934 die Dresdner Jahresschau als "Schau nationalsozialistischen Schaffens". In ihrer Folge wurde am 1. Juni 1935 auf dem Ausstellungsgelände auch die "Dresdner Jahresschau für Feuerschutz und Rettungswesen" im Beisein der Reichsleitung der NSDAP, des Deutschen Feuerwehrverbandes, höchster Vertreter der Wehrmacht, des Landes Sachsen und der Stadt Dresden eröffnet. Veranstalter waren das Hauptamt für Volkswohlfahrt, Abteilung Schadensverhütung, und die Stadt Dresden.

Die Brandschutz-Ausstellung "Der Rote Hahn" (ein uraltes Symbol für das Schadensfeuer schlechthin) war eine der ersten und größten Ausstellungen dieser Art in Deutschland, die einerseits die weit entwickelte Technik des Feuerlöschwesens verdeutlichte, andererseits aber die Integration des Brandschutz- und Feuerlöschwesens in militärische und propagandistische Strukturen offenbarte. Sie war auf das Ziel gerichtet, "ein getreues Spiegelbild der Volkswohlfahrt und Schadensverhütung im neuen Deutschland zu sein, eine Ausstellung von prägnanter Eindringlichkeit, fachmännischer Vollkommenheit und mustergültiger Gemeinsamkeit aller aufbauenden Kräfte wirtschaftlichen, technischen und sozialen Wollens und Könnens im völkischen Staate". Hierin drückte sich auch das konzeptionelle Grundanliegen dieser Schau aus, das bei genauem Hinblicken stets aus dem Führer-Volk-und-Vaterland-Mystizismus erwuchs.

Die Brandkatastrophe von Oechelbronn im Jahre 1933, die den ganzen Ort verwüstete, sowie insgesamt ansteigende hohe Verluste durch Brände (gemeldet war im ersten Vierteljahr 1935 ein Schaden von 10 Millionen Mark) waren eine hinlängliche Motivation für die Durchführung dieser Ausstellung. Das Ereignis von Oechelbronn wurde deshalb auch im "Ehrenhof' der Ausstellung (Ausstellungspalast) künstlerisch ausgestaltet, im schwülstigen Stil der Führerverehrung.

"Der Ehrenhof'' wirkt feierlich wie ein Kirchenschiff. Minuten der Sammlung soll der Besucher hier erleben. Denn über dem Portal erhebt sich ein Bild von Oechelbronn in riesigen Ausmaßen, das die Verwüstung zeigt, die der 'Rote Hahn' an einer Stätte der deutschen Kultur angerichtet hat. Aber es ist nicht nur ein Bild des Grauens, das gezeigt wird: wir sehen den Führer hilfeverheißend bei seinem Volk, darauf deuten auch die Seitenwände, die Bilder von dem Wiederaufbau Oechelbronns tragen", schreibt ein Zeitgenosse.

Der Rundgang durch die einzelnen Abteilungen begann mit einer Sonderschau sämtlicher Organisationen und Hilfsverbände, die um die Institution Feuerwehr gelagert waren. Dabei handelte es sich u. a. um den Arbeitsdienst, der stets zur Katastrophenhilfe und zum Luftschutz hinzugezogen wurde und über ein eigenes technisches Potential wie Fahrzeuge, Werkzeugausrüstung, Gerätschaften für Rettungsaktionen usw. verfügte. Auch die Reichspost zeigte die entsprechenden Einrichtungen ihres Nachrichtennetzes für Feuer- und Unlallmeldungen sowie die im Post- und Telegrafenbetrieb angewendeten Löscheinrichtungen.

Repräsentativ zeigte sich auch der zivile Luftschutz, der unter dem Oberbegriff "Die Stadt nach dem Angriff" dem Betrachter den Gedanken an Kriegsführung gleichermaßen freundlich und vom Standpunkt technischer Überlegenheit aus suggerierte. Diese Spezialausstellung "von seltener technischer Vollkommenheit" machte den Besucher schon sehr früh vertraut mit dem Gedanken an zukünftigen Luftschutzbedarf, mit dessen Perfektion und Zuverlässigkeit.
Das Sächsische Landes-Kriminalamt hatte im Rahmen dieser Ausstellung eine Brandstiftungs-Ausstellung organisiert, die zum Bedauern manches nach Sensation heischenden Besuchers nur Behördenvertretern zugänglich war. Diese Ausstellung war gemeinsam mit der Präsentation des Verbandes öffentlich-rechtlicher und privater Feuerversicherungsanstalten in einem bestens ausgestalteten Pavillon zu sehen. Sie zeigte an Hand historischer Dokumente den Werdegang der Brandschadensvergütung vom mittelalterlichen Brandbettelunwesen bis zu den Landesbrandkassen und Feuersozietäten sowie die ältesten deutschen Feuerkassen (Hamburg 1670). Die Halle der Privat-versicherungsanstalten orientierte anschaulich auf den Brandschutz im häuslichen und Industriebereich. Mittels originalgetreuer Nachbildungen von Wohnungen und Industrieeinrichtungen wurden Beispiele guter Brandschutzvorbereitung denen mangelhafter Art gegenübergestellt. Der erzieherisch -belehrende Aspekt dominierte hier eindeutig. Für den technischen Brandschutz wurde eine weitere Halle mit vielen Unterabteilungen eingerichtet und eine Vielzahl von Brandentstehungs- und Verhütungsmöglichkeiten aus den verschiedenen technischen und Wirtschaftsbereichen gezeigt.

Einen großen Raum nahm weiterhin der Schutz überkommener Bausubstanz wie Burgen, Schlösser und Kirchen ein, unter Einbeziehung der Geschichte des Feuers, der Volksbräuche, der Religion und des Aberglaubens. Diese Abteilung leitete über zur "Entwicklung des Feuerlöschwesens vom Altertum bis zur Jetztzeit". Hier waren Hunderte von Feuerordnungen und älteren Brandverhütungsvorschriften einzusehen, Abbildungen von Löscheinrichtungen, zahlreiche originale Feuerspritzen sowie sorgfältig nachgebaute Modelle ausgestellt, darunter auch die von Feuerwehrleuten für diese Ausstellung nachgebaute fahrbare Handdruckspritze aus Feuchtwangen von 1759. Die aus der Zeit des Hochbarock stammende Spritze steht zur Zeit im Fundus der Technischen Sammlung Dresden.

Neben einer ausführlichen Dokumentation von modernen Personalausrüstungen mit Atemschutzgeräten, Beleuchtungs- und Signalinstrumenten sowie Speziallöschverfahren war auch die große Löschgerätehalle mit dem technisch modernsten Fahrzeugpark sehr wirkungsvoll. Vom kleinsten Einzylinder-Zweitakt bis zum Zeppelinmotor, von der Gartensprengpumpe bis zur stationären Riesenfeuerlöschanlage wurde alles im feuerwehrtechnischen Gebrauchszusammenhang vorgeführt. Darunter befanden sich auch die legendären Dresdner Löschzüge, die durch Präzision und technischen Höchststand geprägten epochenmachenden Fahrzeugkombinationen, die in ihrem Grundaufbau noch bis heute zum Einsatz kommen.
Struktur und Organisationsaufbau der sächsischen Feuerwehren standen im Mittelpunkt einer größeren Informationsabteilung. Dort wurde auch das Modell der jetzigen Hauptfeuerwache Louisenstraße gezeigt - Dresdner Feuerwehrleute hatten es in ihrer Freizeit nachgebaut. Es ist noch gut erhalten und steht ebenfalls im Fundus der Technischen Sammlung.

Die gesamte Ausstellung "Der Rote Hahn" war außerordentlich publikumswirksam gestaltet. Neben den zahlreichen Hallen war der Steigerturm ein besonderer Anziehungspunkt, er diente für Brand-, Lösch- und Rettungsübungen. Nachts wurde er mit farbigen Schaumfontänen besprüht. Jeden Tag fanden Übungen der verschiedensten Feuerwehrvereine Deutschlands statt, am l. Juni 1935 zum Beispiel Vorführungen gesamtdeutscher Jugendfeuerwehren und am 23. Juli eine bemerkenswerte Großübung sächsischer und bayrischer Berufsfeuerwehren. Am 21. und 22. August fand der Internationale Kongress für Feuerschutz im Dresdner Rathaus statt, an dem auch Kommandanten von Feuerwehrkorps aus Frankreich und Italien teilnahmen. Das Programm dieses Kongresses war auf den Schwerpunkt Brandschutz orientiert und wurde in diesem Sinne sachlich durchgeführt.

Alle diese Leistungsschauen waren ein beeindruckender Beweis für das entwickelte Brandschutzbewusstsein und die hochwirksame Lösch- und Alarmierungstechnik. Sie waren freilich auch ein Mittel nationalsozialistischer Propaganda. Und sie hatten, wie wir heute wissen, eine furchtbare Perspektive: den wohlkalkulierten Einsatz der Feuerwehren in einem angezettelten Krieg.

Die Feuerwehr im Luftkrieg

Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges blieb Dresden bis zum Herbst 1944 von Kriegseinwirkungen weitgehend verschont. Das führte dazu, dass der Dresdener Flakschutz aufgelöst und die Batterien über das ganze Reich verstreut wurden, wodurch die Stadt um die Jahreswende 1944/45 gegen Luftangriffe praktisch nicht zu verteidigen war.

Am 7. Oktober 1944 fielen die ersten Bomben auf Dresden, wobei 435 Menschen ums Leben kamen und die westlichen Vorstädte Friedrichstadt und Löbtau erheblichen Schaden nahmen. Mitte Januar 1945 war die Stadt zum zweiten Mal Ziel eines alliierten Bombenangriffs, der sich gegen die Dresdner Benzinraffinerie und die Güterbahnhöfe richtete. Zum gleichen Zeitpunkt füllte sich Dresden mit Evakuierten, vor allem aus Schlesien; Flüchtlingstrecks verblieben längere Zeit in der Stadt, Lazarette aus dem Osten wurden nach Dresden verlegt. Fast alle Schulen und Gasthöfe wurden in Hilfslazarette umgewandelt, unaufhörlich nahm der Flüchtlingsstrom zu. In dieser Situation wurde die Stadt am 13., 14. und 15. Februar 1945 von furchtbaren anglo-amerikanischen Luftangriffen getroffen. 1300 Flugzeuge bombardierten in vier Angriffswellen Dresden und warfen ca. 3 890 Tonnen Spreng- und Brandbomben ab. Durch die Art der Angriffe und der eingesetzten Spreng- und Brandmittel entfachten sie in der Innenstadt einen grausamen, alles vernichtenden Feuersturm.

Am 13. Februar 1945, 22 Uhr und 3 Minuten fielen die ersten Bomben. Binnen 24 Minuten war die historische Dresdner Innenstadt ein Flammenmeer. Knapp drei Stunden später folgte ein zweiter, noch verheerenderer Angriff der britischen Luftwaffe. Zehn Stunden nach dem zweiten Angriff, am 14. Februar mittags, flogen starke amerikanische Verbände an und bombardierten erneut die noch immer brennende Stadt. Am 15. Februar folgten weitere amerikanische Tagesangriffe. Dresden brannte fünf Tage lang. Die Feuerwehr erwies sich trotz aller Anstrengungen als machtlos. Der heute 84 Jahre alte Rentner Arthur Merzdorf war damals Angehöriger der Feuerschutzpolizei und am 13. Februar 1945 im Einsatz. Er erinnert sich:
"Dieser Abend verlief für uns anfangs wie immer, wenn es Fliegeralarm gab. Wir bezogen mit den Löschfahrzeugen von der Wache Annenstraße aus dem Bereitstellungsraum an der Brühlschen Terrasse. Nach dem Dröhnen in der Luft und den gespenstischen Leuchtmarkierungen war uns bald klar, dass Dresden heute nicht so glimpflich davonkommen würde. Nach dem ersten Angriff brannten die Oper, die Gemäldegalerie, die Hofkirche, das Schlossgebäude. Unser Dresden ...! Wir wurden zum Löschen des Italienischen Dörfchens eingeteilt. Nach kurzer Zeit kam aber der Befehl, alles wieder einzupacken und zur brennenden Villa des Gauleiters Mutschmann an der Comeniusstraße umzusetzen. Wir fuhren am Elbufer entlang, vorbei an Häusern, aus denen meterlange Flammen schlugen, an Mauern mit brennendem Phosphor. Wir erreichten unser Ziel und löschten über zwei Stunden. Dabei wurden wir vom zweiten Angriff überrascht und flüchteten in den nächsten Luftschutzkeller. Die Explosionen der Bomben ließen den Erdboden schwanken. Als wir wieder ins Freie krochen, war von unseren Löschfahrzeugen nichts mehr zu sehen - zwei Volltreffer. Wir halfen nun - so gut wir konnten - ohne Technik. Es war sowieso ein aussichtsloser Kampf gegen das Flammenmeer. Auf dem Rückweg in die Neustadt, nach über 24 Stunden ununterbrochenem Dienst, wollten wir noch Leuten in Luftschutzkellern der Innenstadt helfen. Doch sie saßen stumm und staubbedeckt Schulter an Schulter, als ob sie schliefen. Tod durch Rauchgase und Sauerstoffmangel. Was mochte sich hier während des Feuersturms abgespielt haben? Eine Frau lehnte im Hauseingang, im ausgestreckten Arm ein Kleinkind. Beide tot".

Auch der heute 60jährige Zootierarzt, Dr. Heinz-Eberhard Schneider, an jedem 13. Februar als Luftschutzmelder eingesetzt, weiß über das vergebliche Bemühen der Feuerwehr zu berichten:
"Der Voralarm war durch. Ich nahm meinen Stahlhelm und rannte zum Keller des Luftschutzwarts auf der Stübelallee. Er schrieb mir eine Meldung, die ich zur Feuerwache auf der Schlüterstraße zu bringen hatte. Inhalt: Anforderung von drei Löschzügen. Den Weg nahm ich so, dass ich unser Haus (Comeniusstraße 63) begutachten konnte. Es stand noch, das Haus war abgedeckt, Vater als Arzt bereits zum Lazarett unterwegs. In der Nähe der Borsbergstraße brannte es gewaltig. Ich traf auf eine hilflose Feuerwehreinheit, die in die Flammenfront spritzte, ohne damit irgendetwas zu bewirken. Dort gab ich meinen Zettel ab. Der Feuerwehrchef blickte mich zornig an und brüllte gegen das Prasseln des Brandes: 'Du dummes Schwein, die ganze Stadt brennt, und ausgerechnet ihr wollt drei Löschzüge! Sieh zu, dass du aus der Stadt kommst. Ich geb dir Brief und Siegel, in Kürze sind die 'Vögel' wieder da.' Und er hatte recht."

Mindestens 35 000 Tote, vorwiegend Frauen, Kinder und ältere Menschen, waren zu beklagen. 14 000 Häuser wurden total zerstört. Krankenhäuser, Schulen, Kirchen und nahezu alle bedeutenden Kunstdenkmäler waren zerstört. Im Tagesbefehl Nr. 17 des Kommandeurs der Ordnungspolizei vom 22. März 1945 heißt es, dass "unter anderem 19 Kirchen, 6 Kapellen, 22 Krankenhäuser, 2 Museen, 72 Schulen, 5 Theater, 18 Lichtspielhäuser, 24 Banken, 26 Versicherungsgebäude, 31 Waren- und Kaufhäuser, 31 größere Hotels, 25 Großgaststätten, 62 Verwaltungsgebäude und 647 Geschäftshäuser vernichtet wurden." Die Dresdner Feuerwehr verlor bei der Brandbekämpfung während der Luftangriffe im Februar 1945 97 Fahrzeuge. Ein 15 Quadratkilometer großes Stadtgebiet, darunter das gesamte historische Stadtzentrum mit einmaligen architektonischen Kostbarkeiten wie Zwinger, Schloss, Semperoper, Hof- und Frauenkirche wurden eingeäschert. 17 Millionen Kubikmeter Schult und Trümmer blieben übrig.

Die Berufsfeuerwehr und die ihr zugeordneten Kräfte betrauerten 107 Tote. Dabei sind jene Opfer unter Feuerwehr- und Einsatzkräften nicht erfasst, die aus allen Teilen Sachsens, so aus Chemnitz. Leipzig, Görlitz, Bautzen, Riesa, Pirna und vielen kleineren Orten und Gemeinden zu Hilfe eilten. Trotz der personellen Verluste und der enormen materiellen Schäden, welche die Berufsfeuerwehr an Gebäuden, Ausrüstungen und Technik erlitt, war sie die einzige Einheit in dem Chaos des Kriegsendes, die bis zum Einmarsch der Roten Armee ihren Personalbestand zusammenhielt.
Ihren Opfermut und ihre Standhaftigkeit bewiesen die Dresdner Feuerwehrangehörigen auch, indem sie sich entschieden weigerten, den sinnlosen Befehl, den Krieg mit der Waffe in der Hand hinauszuzögern, auszuführen. Kein einziger Angehöriger der Dresdner Feuerwehr hat je direkt in Ausübung seines Berufes in Kriegshandlungen eingegriffen.



Der Wiederaufbau der Dresdner Berufsfeuerwehr nach dem Kriegsende

Am 10. Mai 1945 erhielt der noch amtierende Branddirektor Ortloph (seit 1923 Leiter der Berufsfeuerwehr in Dresden) vom Kriegskommandanten der Roten Armee für Dresden den Auftrag, die Berufsfeuerwehr zu reorganisieren und ihre Einsatzbereitschaft herzustellen. Das war leichter gesagt als getan. In einem Bericht vom 23. Mai 1945 über den Sachstand der städtischen Berufsfeuerwehr - noch unter der Bezeichnung Feuerlöschpolizei - schreibt der Branddirektor: "Der Personalkörper ist in den Tagen des Einmarsches der Russen zusammengehalten worden und festgefügt geblieben. Die Personalstarke mit rund 1 180 Mann ist durch Ausscheiden von 530 Mannschaften und durch freiwilliges Ausscheiden von 300 Ergänzungskräften auf 350 Köpfe nach dem heutigen Stand vermindert worden.
Der Einsatz der vorhandenen Feuerlöschkräfte und der noch verbliebenen Feuerlöschfahrzeuge und Geräte ist zur Zeit nur bedingt möglich, weil unmittelbar nach dem Eintreffen der Russen der gesamte Treibstoff sowie mit wenigen Ausnahmen sämtliche Kraftfahrzeuge beschlagnahmt und weggeführt worden sind. Trotz ernsten Einspruches sind 11 000 Liter Benzin aus Tanks sowie 83 große Feuerlöschfahrzeuge einschließlich Kraftspritzen und Kraftfahrdrehleitern, 22 Personen-Dienstwagen, 31 Krafträder und 22 Spezial- und Sonderfahrzeuge, zusammen also 158 Fahrzeuge einschließlich des in den Fahrzeugtanks befindlichen Treibstoffvorrates, ca. 20 000 Liter Benzin, beschlagnahmt und weggeführt worden. An Restfahrzeugen stehen lediglich noch zur Verfügung: 4 Kraftfahrdrehleitern, 1 Kraftspritze, 3 kleine Mannschaftswagen, 1 Personen-Dienstwagen, dazu noch eine Anzahl tragbarer Kleinmotorspritzen. Darüber hinaus sind fast ausschließlich alle Vorrats-, Kammer- und Bekleidungsgegenstände durch Beschlagnahme verloren gegangen. Die Zahl der Feuerwachen ist entsprechend den noch verbliebenen Wohngebieten und der noch geringen Zahl verbliebener Feuerlöschfahrzeuge auf 4 Feuerwachen vermindert worden. Diese sind:

Feuerwache 1, Neustadt, Louisenstraße 14/16,

Feuerwache 2, Pieschen Bürgerstraße 63,

Feuerwache 3, Striesen Schlüterstraße 39,

Feuerwache 4 Löbtau/Wölfnitz Kapellenweg 28.Jede dieser Feuerwachen wird vorerst mit zwei Kraftfahrzeugen sowie mit einer auf Handkarren fahrenden Kleinmotorspritze besetzt. Es kann vielleicht damit gerechnet werden, dass auf den Ausfallstraßen von Dresden das eine oder andere große Fahrzeug wieder geborgen werden kann.

Zu diesem Sachstand bitte ich folgendes veranlassen zu wollen:
a) Zuteilung von zunächst 5 000 Liter Benzin, damit nicht allein der laufende Einsatz der Feuerlöscheinheiten, sondern deren Dauerleistung bei Eintritt ernster Brände sichergestellt wird.

b) Ausfertigung von Ausweisen in russischer Sprache mit Stempel und Unterschrift des Kriegskommandanten und die Verfügungsstellung von zwei russischen Lastkraftwagen, damit die dem Vernehmen nach auf Ausfallstraßen der Umgebung Dresdens liegengebliebenen städtischen Feuerlöschkraftwagen wieder eingeholt werden können."

Unter welch komplizierten Bedingungen die Bekämpfung von Bränden und die Durchführung von
Hilfeleistungen zu realisieren war, verdeutlicht auch ein Rundschreiben vom 11. Juni 1945. Dort heißt
es u .a. : "Auf den 4 Wachen wird jeweils ein Zugfahrzeug mit angehängten Tragkraftspritzen in den
Dienst gestellt. Die Besatzung, 1 Führer und 8 Mann, sind im Zugfahrzeug unterzubringen, die übrigen
Leute müssen zu Fuß bzw. per Rad zur Einsatzstelle eilen. Kraftstoff kann nur in geringer Menge zur
Verfügung gestellt werden".
Die ersten Jahre des Neubeginns waren auch von personellen Veränderungen gekennzeichnet. Der
langjährige Branddirektor August Ortloph musste, weil politisch nicht mehr tragbar, nach 35jähriger
Zugehörigkeit zum Dresdner Feuerlöschwesen seinen Platz räumen. In einer Übergangsphase führte
Dr.- Ing. Walter Dutschke die Funktion des Branddirektors aus, bis 1946 Johannes Bittkow, der 1933
wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit aus der Feuerwehr entlassen worden war, mit der Führung der
Berufsfeuerwehr beauftragt wurde. Auch die Reorganisation des Personalbestandes brachte
einschneidende Veränderungen, ohne dass die Einsatzbereitschaft und Zuverlässigkeit der Feuerwehr
darunter litten. Zahlreiche junge Dresdner, die aus dem Krieg heimgekehrt und vorwiegend in
handwerklichen Berufen gut ausgebildet waren, fanden bei der Berufsfeuerwehr Anstellung. Nach
mehrwöchiger Grundausbildung versahen sie ihren Beruf zuverlässig und verstanden ihn zumeist als
Lebensaufgabe.

Schon das Jahr 1947 zeigte positive Ansätze bei der Überwindung der Kriegsschäden, die kaum eine Berufsfeuerwehr in Deutschland so getroffen hatten wie in Dresden. Von den ehemals fünf Feuerwachen erlitt die Hauptfeuerwache Annenstraße 9 Totalschaden. Sämtliche dort stationierten Feuerlösch-, Rettungs- und Sonderfahrzeuge, die gesamte Verwaltung und Ausrüstungsgegenstände aller Art wurden in dem zertrümmerten Gebäudekomplex vernichtet. Ein Wiederaufbau war nicht mehr denkbar.

Die Feuerwache Löbtau war durch Bombentreffer zu 85 Prozent zerstört. Der Dachstuhl der Feuerwache Striesen war abgebrannt. Der große Fahrzeughallentrakt war ebenfalls den Flammen zum Opfer gefallen. Die Feuerwache Neustadt war durch Bombeneinwirkungen in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Das Gebäude der Feuerwehrschule, Katharinenstraße 9, zeigte ebenfalls Schäden am Bauwerk durch Bombentreffer. Wegen der im Verhältnis zu anderen Wachen geringeren Schäden und der verkehrstechnisch günstigsten Lage erhielt Neustadt den Status der Hauptfeuerwache. Auf der Feuerwache Pieschen war der größte Teil des Daches vernichtet und die Reservehalle völlig ausgebrannt.



Von der Krankenbeförderungszentrale Dürerstraße blieb nichts mehr übrig - Totalschaden.
Obwohl der Feuerschutz der Stadt mangels Fahrzeugen, Kraftstoff und Technik nur schwer zu gewährleisten war, gelang es nach Monaten mit Unterstützung der Landesregierung Sachsen, gestohlene, zweckentfremdete oder bei der Flucht liegengebliebene Lösch- und Einsatzfahrzeuge zurückzuholen und den Feuerwehren wieder zuzuführen. Dresden erhielt auf diesem Wege 17 Einsatzfahrzeuge, sechs Personenkraftwagen und zwei Krafträder zurück. Jede Wache verfügte nun wieder über einen kompletten Löschzug.

Durch mühevolle freiwillige Arbeitseinsätze, an denen sich alle Angehörigen der Berufsfeuerwehr beteiligten, wurden bald sichtbare Erfolge bei den Wiederaufbau- und Instandsetzungsarbeiten an den Feuerwachen sowie deren Innenausstattungen und Werkstätten erzielt. Die Feuerwehrmänner bauten mit oft nicht viel mehr als ihrer Begeisterung die Feuerwachen wieder auf und zauberten aus Wracks wieder einsatzfähige Fahrzeuge und Geräte. Diese Einsatzbereitschaft zeigte sich nicht nur in eigener Sache, sondern fand auch bei der Beseitigung der Trümmer in der Stadt, bei der Wiederherstellung von Versorgungsleitungen u. a. sichtbaren Ausdruck. Jeder Feuerwehrmann beteiligte sich einen Tag im Monat in seiner Freizeit an freiwilligen Aufbaueinsätzen.

Durch die enorme Beanspruchung der Lösch- und Einsatzfahrzeuge, besonders im Einsatz bei Waldbränden (bis in die Region Hoyerswerda), bei Explosionen in den Munitionslagern von Zeithain und beim Oder-Dammbruch, erhöhte sich der Verschleiß der ohnehin in die Jahre gekommenen Fahrzeuge. Allein im Jahre 1947 fielen 211 Reparaturen an, die durch den Mangel an Ersatzteilen hohe Improvisationskunst, technischen Sachverstand und handwerkliches Können von den mit der Reparatur beauftragten Feuerwehrmännern forderten. Hinzu kam, dass der Feuerwehr in Dresden ab 1. Juli 1947 wieder der Krankentransport übertragen wurde. Mit den noch vorhandenen nahezu völlig verschlissenen Krankenwagen war dies nicht zu gewährleisten. Vier weitere Fahrzeuge, teilweise als Wracks aus Trümmern geborgen und wieder aufgebaut, kamen hinzu. Trotz einer hohen Ausfallquote dieser Altfahrzeuge konnten bei 6 500 Fahrten im zweiten Halbjahr 1947 6 614 Kranke bzw. verletzte Personen befördert werden. Ein Tempo-Dreiradwagen mit vollgummibereiften Panzerrädern beförderte bis zum Jahresende zwölf im öffentlichen Verkehr tödlich verletzte Personen.

Von großer politischer Bedeutung für die Berufsfeuerwehren war der Befehl der Sowjetischen Militäradministration Nr. 9/V/3 vom 12. April 1947. Danach wurden die Berufsfeuerwehren, die im Jahre 1939 der Polizei unterstellt worden und beim Neuaufbau 1945 ebenfalls Bestandteil der Polizei geblieben waren, von dieser getrennt und dem Oberbürgermeister der Stadt unterstellt. Die offizielle Bezeichnung lautete nunmehr:

Rat der Stadt Dresden, Berufsfeuerwehr, Stadtbrandschutzamt.





Seinen Jahresbericht von 1947 beendete der erste Branddirektor nach dem Zweiten Weltkrieg, Johannes Bittkow, mit den Worten: "Feuerwehrdienst ist Dienst am Volke, Feuerwehrarbeit ist Herzenssache". Dem ist wohl bis heute nicht zu widersprechen.

80 Jahre Berufsfeuerwehr Dresden

Zum 80jährigen Berufsjubiläum präsentierte sich die Berufsfeuerwehr Dresden im Summer 1948 mit einer bemerkenswerten Ausstellung unter dem Titel "Brandschutz und Rettungswesen" in der Stadthalle am Nordplatz (heute Armeemuseum). Diese Ausstellung gab dem Besucher Einblick in die in den schweren Nachkriegsjahren geleistete und noch zu bewältigende Arbeit der Feuerwehren. Ein hoher Stellenwert wurde der Bedeutung der Vorbeugung von Brandgefahren beigemessen.



Der Wahlspruch "vorbeugen ist besser als heilen" hatte besonders in der wirtschaftlich prekären Situation der Ostzone große Bedeutung. 30 Ausstellungskomplexe, ein Sonderpostamt und vor allem die wiederholten großen Schauübungen auf dem Freigelände begeisterten hunderte Besucher. Trotz widriger Anreisemöglichkeiten kamen viele Besucher auch über Sachsens Grenzen hinaus. Großen Zulauf und Begeisterung fanden diese Veranstaltungen besonders bei Jugendlichen und Kindern, denn zu dieser Zeit hatten solche Veranstaltungen Seltenheitswert.





Da in den Nachkriegsjahren finanzielle und materielle Mittel äußerst knapp waren, wurde von den Dresdner Feuerwehrleuten viel Improvisationsvermögen, Ideenreichtum und persönliche Freizeit abverlangt, um dieses Jubiläum zu gestalten.

Alles in allem war es ein gelungenes Fest.
Erneut der Polizei unterstellt

Die Berufsfeuerwehren im Osten Deutschlands zeigten in ihrem strukturellen Aufbau nach 1945 kaum noch Unterschiede. Aber nach kurzer kommunaler Unterstellung wurden sie erneut in die Strukturen der Polizei eingebunden. Diese Form des Neuaufbaus des Brandschutzwesens war von der sowjetischen Administration vorgegeben.

Der Brandschutz als "gesamtgesellschaftliche Aufgabe" wurde damit Teil des Ordnungs- und Sicherheitssystems und fiel in die Zuständigkeit der Polizei. 1950 wurden die Berufsfeuerwehren der DDR der Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei (HvDVP) unterstellt. In Dresden hieß es nunmehr kurzzeitig:

Volkspolizeipräsidium Dresden, Abteilung Feuerwehr.



Mit der Verwaltungsreform 1952 erfolgte die Auflösung der Länder und die gleichzeitige Bildung der 14 Bezirke. Die allumfassende staatliche und politische Zentralisation erfasste auch die Feuerwehr im vollen Umfang. Der traditionelle Sanitäts- und Krankentransportdienst wurde aus der Feuerwehr herausgelöst und anderen Rechtsträgern übertragen. Es änderten sich viele historische Namen und Bezeichnungen innerhalb der Feuerwehr, und das militärische Dienstgradsystem wurde in allen Bereichen des Ministeriums des Innern (Mdl) eingeführt. So trug der Einsatzdienst der Feuerwehr fortan die Bezeichnung "Kommando Feuerwehr", ein Begriff, der in den Sprachgebrauch der Bürger unserer Stadt kaum Eingang fand.

1950 wurde wegen baulicher Mängel die Feuerwache Dresden - Pieschen gesperrt. Als vorläufiges Ausweichquartier wurde der Berufsfeuerwehr Dresden das ehemalige Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Radebeul zugewiesen. Noch 48 Jahre, wird vom Kommando 2 in Radebeul auf der Wichernstraße ausgerückt. Im Februar 1998 wir die neugebaute Feuerwache in Übigau auf der Washingtonstraße bezogen. Es ist nach 1916 (Feuerwache Neustadt) der erste Neubau einer Wache der Berufsfeuerwehr in der Landeshauptstadt!

Das Kommando 5 „Interflug“, war bis zum 32.12.1990 Bestandteil der Abteilung Feuerwehr beim VPKA Dresden. Nur mit einer Sondergenehmigung oder der Name war auf einer Sicherheitsliste vermerkt, kam man auf das Gelände der Flughafenfeuerwehr.

Bis zum 21.03.2001 hatte die Flughafenfeuerwehr einen betrieblichen Charakter. Der 22.03.2001 brachte dann das Prädikat einer anerkannten Werkfeuerwehr durch das RP Dresden.

Am 15.12.2003 konnten die Kollegen der Flughafenfeuerwehr ihre neue Feuerwache beziehen.

Mit der Bildung des Organs Feuerwehr im Mdl. bezogen auf die politisch-staatlichen Leitungsebenen, wurde folgende Struktur wirksam und galt bis 1990:

Ministerium des Innern (Mdl), Hauptabteilung Feuerwehr (HAF),

darunter:

Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei
(BdVP),Abteilung Feuerwehr (Abt. F),

darunter:
Volkspolizei-Kreisamt (VPKA),
Abteilung Feuerwehr (Abt. F).

Wichtig ist, dass es seit der Einführung dieser Strukturen und Hierarchien immerwährende Bemühungen bis zur Hauptabteilung gab, der Berufsfeuerwehr eine höhere Eigen- und Selbstständigkeit zu gewähren. Der einzige, bedeutende Erfolg war, dass die Angehörigen der Feuerwehr aus der DVP "ausgegliedert" wurden, einen eigenständigen Rechtsstatus erhielten und nunmehr Angehörige des Organs Feuerwehr des Mdl wurden.

Mit der Bildung des Organs Feuerwehr gelang es zwar, die Feuerwehren der DDR einheitlich zu organisieren, zu führen, auszubilden und auszurüsten, es erlosch aber die eigenständige Rolle und Verantwortung der Berufsfeuerwehren. Gleichzeitig geriet die Feuerwehr in zunehmende Abhängigkeit von vielen Bereichen der Volkspolizei (Personalwesen, Lohn und Gehalt, materielle Sicherstellung und Versorgung, Ausrüstung, Ausstattung, Bau- und Grundstückswesen und alle Belange der allgemeinen Verwaltung). Auch die Befugnisse der Leiter Feuerwehr wurden nahezu beseitigt. Diese waren laut Weisungen des Mdl den jeweiligen Leitern der VP-Dienststellen unterstellt und in allen Fragen rechenschaftspflichtig. Eine fragwürdige Praxis, die allein schon aus Gründen der Fachkompetenz eine permanente Reibungsfläche bot. Ungeachtet dessen formte sich das Organ Feuerwehr, und das Bild der Einheitlichkeit nahm scharfe Konturen an.

Leider steht über diese Zeit nur lückenhaftes Quellenmaterial zur Verfügung bzw. muss vorhandenes noch fachkundig geprüft und ausgewertet werden. Auch Fotomaterial gibt es aus dieser Zeit nicht viel, weil das Fotografieren auf Dienststellen aus „Geheimhaltungsgründen“ streng untersagt war. Eines jedoch steht als unverrückbare Tatsache fest: Auch unter den vorgenannten Bedingungen entwickelten sich die Feuerwehren mit ihren Abteilungen und Kommandos zu stets einsatzbereiten und gut ausgebildeten Formationen zur Gewährleistung des vorbeugenden und operativen Schutzes von Leben, Gesundheit sowie persönlichen und gesellschaftlichen Sachwerten. Diese Bewertung gilt in vollem Umfang auch für die Dresdner Feuerwehr.




Mehr Farbe für die Feuerwehr

Im Februar 1974 erhielt die Dresdner Feuerwehr von der Hauptabteilung Feuerwehr des Mdl den Auftrag, eine neue Farbgebung der Einsatzfahrzeuge in der Öffentlichkeit zu testen. Die zunehmende Verkehrsdichte und Verstopfung der Knotenpunkte und Hauptverkehrsadern in den Städten brachte auch der Feuerwehr immer größere Erschwernisse und führte zu wachsenden Zeitverzögerungen. Die vorhandenen akustischen und optischen Signalmittel der Feuerwehr reichten allein nicht mehr aus. Mit dem Versuch einer neuen Farbgebung - reflektierendem, leuchtenden Signalrot, weißer oder schwarzer "Bauchbinde" um den Aufbau und einer überdimensionalen 112 - sollte die Erkennbarkeit der Feuerwehrfahrzeuge im Verkehr, ihre Marschgeschwindigkeit und ihr Einsatztempo erhöht werden. Der Versuch fand ungeteilte Zustimmung bei Verkehrsteilnehmern aller Art und galt als gelungen. Allein an fehlenden Finanzen und der allgemeinen wirtschaftlichen Schwäche der DDR scheiterte er letztendlich. Erst Jahre später wurde eine billigere, freilich weitaus unattraktivere Lösung gefunden.







Tagung des Internationalen Komitees für vorbeugenden Brandschutz und Feuerlöschwesen (CTIF) Großveranstaltung auf dem Dresdner Altmarkt

Als ein bedeutsames Ereignis für die Stadt Dresden und ihre Feuerwehren gestaltete sich die Tagung des Permanenten Rates des Internationalen Komitees für vorbeugenden Brandschutz und Feuerlöschwesen (CTIF) vom 6. bis 10. September 1984. Seit 1973 gehörte das "Nationale Komitee der Feuerwehren der DDR" als ordentliches Mitglied dem größten internationalen Zusammenschluss der Feuerwehren an.Unter Leitung von CTIF-Präsident Colonel Robert Dollinger (Frankreich) verlief die Tagung laut "Deutscher Feuerwehrzeitung" "... sehr harmonisch und reibungslos und von den Ergebnissen her erfolgreich". Der Abschlusstag stand ganz im Zeichen einer Großübung auf dem Dresdner Altmarkt. Großräumig waren hierfür umfangreiche innerstädtische Absperrungen vorgenommen worden. Nach Angaben des Veranstalters wohnten allein im unmittelbaren Veranstaltungsraum über 30 000 Zuschauer der Großveranstaltung bei. Schon am Vortag während der Probe waren weit über 10 000 Dresdner zugegen. "Eine imponierende Zuschauerkulisse" und "außerordentliche Attraktivität", so die übereinstimmende Bewertung durch alle vertretenen Fach- und Tageszeitungen.
Die Dresdner Feuerwehr demonstrierte bei dieser Großübung ihren guten Ausbildungs- und Leistungsstand, zeigte ihre damals modernen Lösch- und Sonderfahrzeuge und Ausrüstungen. 70 Einsatzfahrzeuge mit Besatzungen waren an den Übungselementen beteiligt, in denen die unterschiedlichsten Formen und Methoden der Brandbekämpfung, der technischen Hilfeleistung, des Rettungs- und Bergungswesens, der Havariebeseitigung sowie Ausschnitte aus der praktischen Ausbildung vorgeführt wurden. Auch eine Frauenlöschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr und Arbeitsgemeinschaften "Junge Brandschutzhelfer" gaben praktische Proben ihres Könnens. Besonderen Beifall zollten Gäste und Besucher dem Demonstrationssprung von acht Dresdener Feuerwehrleuten vom Haus Altmarkt aus einer Höhe von 26 Meter in ein Rettungspolster (SPP 40000) und dem Abschlussbild, einer großen Schaumkaskade in den Stadtfarben.
Dresden blieb mit seiner Feuerwehr damit weiter im Gespräch, zumal sich schon ein neuer Höhepunkt in deren Geschichte abzeichnete: der 125. Jahrestag der Gründung der ersten Dresdner Feuerwehr.

125 Jahre Feuerwehr in Dresden

Am 9. Oktober 1988 fand anlässlich des 125. Gründungstages der ersten Feuerwehr - nicht zu verwechseln mit dem der Berufsfeuerwehr - ein festlicher historischer Umzug statt, dem sich eine Vielzahl von Vorführungen und eine umfassende Ausstellung der Feuerwehrtechnik aus vielen Jahrzehnten anschloss. Für die Bürger Dresdens und die vielen Gäste gestaltete sich der Festumzug zu einem einmaligen Erlebnis und Spektakel. Ihnen wurde in vier großen Zeitbildern ein anschaulicher Überblick über die Entwicklung des Feuerlöschwesens vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart vermittelt. Tausende säumten die mehrere Kilometer lange Umzugsstrecke und sparten nicht mit Beifall und Anerkennung. Traditionsgemäß endete der Festumzug auf dem Dresdner Altmarkt.

Mit großem Interesse und sichtlichem Vergnügen verfolgten die Zuschauer die praktischen Vorführungen, darunter die Bekämpfung von Bränden mit pferdebespannten Handdruck-Spritzen, Fahrzeugen der dreißiger Jahre und der Technik der Gegenwart. Die große Technikausstellung auf dem Altmarkt lockte tausende Interessenten und Neugierige an, war es doch möglich, die "Uraltechnik" der Feuerwehr nicht nur aus unmittelbarer Nähe zu betrachten, sondern selbst zu besteigen und zu handhaben. Dank soll an dieser Stelle nochmals an jene freiwilligen Feuerwehren aus nahezu ganz Sachsen gehen, die ihre liebevoll gepflegte historische Feuerwehrtechnik für den Umzug und die Ausstellung bereitstellten. Dieses große Erlebnis vermittelte erneut einen tiefen Eindruck von der Verbundenheit der Dresdner mit ihrer Feuerwehr.
Trotz der ungeteilten Freude über die gelungene Veranstaltung wurden mit Bitterkeit zwei Fragen unter den Dresdner Feuerwehrleuten heftig diskutiert. Warum nahm der Oberbürgermeister der Stadt Dresden, der sich 28 Jahre (!) seinen Feuerwehren nicht gezeigt hatte, weder am würdigen Festakt im Plenarsaal des Rathauses teil, dem über 300 geladene Gäste und Dresdner Feuerwehrleute beiwohnten, und fehlte auch beim anschließenden Empfang im Festsaal des Rathauses - laut Festschrift - ein "Empfang des Oberbürgermeisters für verdienstvolle Angehörige der Dresdner Feuerwehren"? Alle Anwesenden empfanden dies als Brüskierung der Arbeit aller hiesigen Feuerwehrleute und machten daraus in kurzen Ansprachen keinen Hehl. Am Folgetag hagelte es scharfe Kritik, die glücklicherweise für die Betroffenen ohne Folgen blieb. Die zweite Frage bewegte insbesondere die Angehörigen der Berufsfeuerwehr: Würde es wohl möglich sein, den 125. Gründungstag der Dresdner Berufsfeuerwehr am 1. Juli 1993 würdig zu begehen? In die Köpfe der damaligen Polizeiführung wollte einfach nicht hineingehen, dass die Lebensgeschichte der Dresdner Feuerwehr bereits 125 Jahre zählte und die der Volkspolizei nur reichlich 40. Die Klärung dieses immer schärfer geführten politischen Streites, bei dem die Feuerwehr kaum Siegeschancen besaß, brachte letztendlich der Herbst 1989.

Die Wende - das humanistische Grundanliegen der Feuerwehr überdauert die sozialistische Gesellschaft



Sommer 1989 leitete das letzte Kapitel der Geschichte der Feuerwehren in der DDR ein. Von Tag zu Tag spitzten sich die innenpolitische Lage und die wirtschaftliche Situation zu. Es mehrten sich Veranstaltungen und Zusammenkünfte von Bürgergruppen, die eine Wende im politischen Kurs der Partei- und Staatsführung forderten. Der gesamte Sicherheits- und Ordnungsmechanismus des Staates wurde aufgeboten, diesen Bestrebungen energisch und gewaltsam Einhalt zu gebieten. Es wuchs die Gefahr, dass auch die Feuerwehr in dieses System eingebunden und ihrem humanistischen Grundanliegen zuwider erstmals gegen Menschen eingesetzt werden könnte.
So wurden beispielsweise aus den Versorgungsbasen der Deutschen Volkspolizei für einige Tanklöschfahrzeuge Schutzgitter für die Fenster und Prallbleche für die Motorhauben angeliefert, die sie im offensichtlich geplanten Einsatzfall vor Steinwürfen schützen sollten. Eingedenk der sich zuspitzenden innenpolitischen Lage wuchs der Verdacht, dass diese Tanklöschfahrzeuge auf höheren Befehl auch als eine Art Wasserwerfer fungieren könnten. Parallelen zum "Dritten Reich" taten sich auf, wo in letzter Minute die Feuerwehr (Feuerlöschpolizei) zum militärischen Schutz, aufgeboten werden sollte.
Dazu ist es 1989 nicht mehr gekommen. Die unblutige Wende in der DDR nahm eine unzumutbare Verantwortung und psychische Last von den Angehörigen der Feuerwehren. Von der Polizeiführung befohlene, höchst unpopuläre und auch gegen einzelne Feuerwehrangehörige gerichtete Maßnahmen mussten sofort korrigiert und außer Kraft gesetzt werden.
Es begann ein wechselvoller, ereignis- und entscheidungsreicher Abschnitt. Nahezu täglich trafen von "oben" neue Weisungen, Festlegungen oder Anordnungen ein, und jeder spürte, dass der bisherige Apparat des Ministeriums des Innern nicht in der Lage war, die alten Strukturen zu sichern. Da war kein gesellschaftlicher Bereich, der nicht von der gewaltigen Strömung der Wende erfasst und in seinen Grundfesten erschüttert worden wäre. Ein neuer Abschnitt in der deutschen Geschichte hatte unwiderruflich begonnen. Wie für diesen Umbruch charakteristisch. gerieten auch innerhalb der Feuerwehr die Besonnenheit und Vernunft der Mehrheit mit der Kopflosigkeit und Unüberlegtheit einer Minderheit heftig aneinander. Es siegten recht schnell und überzeugend die klugen und vernünftigen Ideen, Gedanken, Vorstellungen und Vorschläge zur allseitigen Erfüllung unserer humanistischen Pflicht. Dies war auch die entscheidende Voraussetzung für die Lösung der sicher komplizierten nächsten Schritte zum Wiederaufbau der Berufsfeuerwehr in Dresden.
Rückblickend gebührt allen Dresdner Feuerwehrleuten Dank und Anerkennung dafür, dass sie auch in dieser schwierigen Zeit voller sich überstürzender Ereignisse klaren Kopf bewahrten und zu keiner Minute Sinn und Pflicht ihrer Aufgabe vernachlässigten. Kein Dresdner Bürger bekam zu spüren, dass auch die Feuerwehr große Probleme bewältigen musste. Dafür nur wenige Beispiele:

Durch das Mdl wurden per Weisung faktisch über Nacht Möglichkeiten eingeräumt, sehr großzügige Vorruhestandsregelungen für Angehörige ab dem 50. Lebensjahr in Anspruch zu nehmen. Einige Feuerwehrleute mit oft erheblich beeinträchtigter Gesundheit, für die sich zuvor keine soziale Lösung hatte finden lassen, machten von dieser Möglichkeil Gebrauch. Schwerer war die Entscheidung für jene, die sich für weiterhin leistungsfähig hielten (und es meist auch waren), aber jenes Alter bereits erreicht hatten. Was sollten sie tun? Wer konnte ihnen raten? So entschied sich am Ende die Mehrheit - aus der Ungewissheit darüber, was da kommen würde - für die Inanspruchnahme dieser Regelungen. Auf diese Weise schieden 1990 über 40 erprobte und erfahrene Feuerwehrmänner und Offiziere aus dem Dienst, ein Verlust, der in der Folgezeit sehr schmerzlich spürbar wurde und von den Verbleibenden getragen werden musste. Die tägliche Einsatzstärke sank auf ein bedrohliches Minimum herab, und die Einsatzbereitschaft geriet in echte Gefahr. Es war das erklärte Ziel aller verbliebenen Feuerwehrmänner, durch vereintes Handeln und verdoppelte Anstrengungen die kommende, gewiss nicht einfache Wegstrecke zu meistern. Heute wissen wir, dass sich diese Anstrengungen gelohnt haben.



1990 - ein entscheidungsvolles Jahr für die
Berufsfeuerwehr Dresden

Im Frühjahr 1990 wurden eine Vielzahl wichtiger Dokumente für den Wiederaufbau der Berufsfeuerwehr als Beschluss- oder Entscheidungsvorschläge erarbeitet. Darin enthalten waren eine Fülle von Ideen und Vorschlägen Dresdner Feuerwehrleute, eingebracht in Schriftform oder als Diskussionsbeitrag in den ungezählten Versammlungen, Foren und Aussprachen. Nicht alles war "rund" und stand meist den noch immer geltenden Befehlen und Weisungen des Mdl entgegen. Aber ungeachtet dessen wurde angestrengt alles bis dahin Mögliche für eine Überführung vom Mdl zur Kommune vorbereitet. Folgend nun in Kurzform die wichtigsten Stationen auf diesem Weg:

20. Mai 1990Der Staatssekretär im Mdl der DDR teilt in einem Schreiben an die Leiter der Bezirkspolizeibehörden mit, dass die Überführung der Feuerwehr aus dem Mdl zur Kommune vorzubereiten sei. Als Termin wird der 3l. Dezember 1990 genannt.

22. Mai 1990Die Leiter der Schnellen Medizinischen Hilfe (SMH) und der Berufsfeuerwehr Dresden (BF) überreichen dem Oberbürgermeister das "Positionspapier zur weiteren prähospitalen medizinischen Notfallversorgung" in Dresden. Es sieht die Zusammenführung von SMH und BF, die Bildung einer gemeinsamen Feuerwehr- und Rettungsleitstelle sowie die Bildung einer Abteilung Rettungsdienst in der BF Dresden vor.

29.Juni 1990Fernschreiben des Leiters der Bezirksbehörde an die Leiter der Polizeikreisämter:
"Die Bildung der Berufsfeuerwehren in der Bezirksstadt Dresden und der Kreisstadt Görlitz gemeinsam mit den Stadtparlamenten ist vorzubereiten. Dies beinhaltet, die erforderlichen Festlegungen über Strukturen und personelle Stärken, einschließlich zur Übernahme der Angehörigen des Organs Feuerwehr, zu treffen ... Der zweckentfremdete Einsatz der Feuerwehren ist unzulässig, alle Maßnahmen der Feuerwehren sind auf der Grundlage des Brandschutzgesetzes vom 19.12.1974 zu realisieren ... Die Überführung der Betriebsfeuerwehr-Kommandos ist vorzubereiten."
Mit diesem Fernschreiben wurde die zentrale Vorgabe des Mdl zur Vorbereitung der Überführung der Feuerwehr in die Zuständigkeit der Kommune auch für die Dresdner Polizeiführung zur unabänderlichen Gewissheit.

Fortbestehende Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung beseitigte mit Weisung der Innenminister selbst:

10. Juli 1990
Der Stellvertreter des Ministerpräsidenten der DDR und Innenminister verabschiedet die "Grundlinie der Entwicklung der Feuerwehren der DDR".

11. Juli 1990Die Beigeordnetenkonferenz der Stadt Dresden fasst den Beschluss Nr. 07-0S/90. Er beinhaltet - die Bestätigung des Positionspapiers der Leiter der Schnellen Medizinischen Hilfe (SMH) und der Berufsfeuerwehr "Zur weiteren Entwicklung der prähospitalen Notfallversorgung",

- die Eingliederung der SMH in die Berufsfeuerwehr,
- die Bildung einer Abteilung Rettungsdienst innerhalb der Feuerwehr,
- die Einrichtung einer gemeinsamen Feuerwehr- und Rettungsleitstelle und
- den Aufbau des Rettungsdienstes als originäre Aufgabe der Berufsfeuerwehr Dresden.

11. September 1990Schreiben des Innenministers der DDR an alle Regierungsbevollmächtigten in Bezirksverwaltungsbehörden (vormals Räte der Bezirke). Darin heißt es :
"Wie Ihnen bekannt ist, obliegt ausgehend von dem zu übernehmenden bundesdeutschen Recht sowie der von der Volkskammer verabschiedeten Kommunalverfassung und dem Ländereinführungsgesetz der Brandschutz und das Feuerwehrwesen künftig den Gemeinden als Selbstverwaltungsangelegen-heit." Und weiter:
"Die bisher durch die Abteilungen und Kommandos Feuerwehr genutzten Anlagen, Einrichtungen. Fahrzeuge. Ausrüstungen und dgl. werden gemäß §21 Abs. 2 des Ländereinführungsgesetzes unentgeltlich an die Länder bzw. Aufgabenträger übergeben".
Damit wurde für die materielle und technische Ausstattung auch der Berufsfeuerwehr Dresden eine erste, aber sehr entscheidende Grundlage geschaffen und der Stadtverwaltung als künftigem Aufgabenträger eine schwere Anfangslast genommen.

1.Oktober 1990Die bisherigen Leitstellen der Feuerwehr (Louisenstraße) und der Schnellen Medizinischen Hilfe (Industriestraße) werden als Feuerwehr- und Rettungsleitstelle (Einsatzleitzentrale) im Objekt der Feuerwache 1, Louisenstraße, vereint. Sie ist fortan für alle Einsätze der Feuerwehr und der Notfallrettung verantwortlich. Am gleichen Tag beginnt der Wiedereinstieg der BF Dresden nach 40 Jahren Unterbrechung in den Rettungsdienst als neue, wichtige Aufgabe. Neue Rettungswagen, zum Großteil gestiftet durch die "Europäische Friedensinitiative - Deutsche für Deutsche e.V.", werden gestellt.

Bis zu diesem Zeitpunkt vollzogen sich die bisher genannten Schritte im wesentlichen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es war ein abgestimmtes Ziel, die Bevölkerung unserer Stadt in keiner Weise zu verunsichern. Und hierfür bestand auch niemals Anlass. Einsätze aller Art und andere Hilfeersuchen wur-den in bewährter Weise realisiert. Jetzt aber war die Zeit reif. Die Vorbereitungen für den Übergang waren soweit gediehen, dass eine Information der Öffentlichkeit geboten war

13. November 1990
In einem Interview mit den Dresdner Tageszeitungen informiert der Dezernent für Ordnung und Sicherheit, Dr. Bernd Ihme, die Öffentlichkeit erstmals von der bevorstehenden Überführung der Berufsfeuerwehr Dresden aus der Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums in die der Stadtverwaltung und beantwortet Fragen zu Struktur und künftigen Aufgaben.
20. November 1990Im Rathaus findet unter Leitung des Dezernenten für Ordnung und Sicherheit die letzte, entscheidende Grundsatzberatung vor der Überführung der Berufsfeuerwehr in das Brandschutz- und Rettungsamt der Stadtverwaltung Dresden statt. Daran nehmen alle damit befassten Vertreter der Stadtverwaltung und der Feuerwehr teil. Nach mehrstündiger Dauer können die meisten Probleme geklärt und für noch offene Fragen Lösungswege aufgezeigt werden.

31. Dezember 1990In der Nacht des Jahreswechsels 1990/91 wechselt auch die Berufsfeuerwehr Dresden endgültig zur Kommune. Nach 40jähriger zentraler Eingliederung ins Mdl kehrte die BF Dresden dorthin zurück, wohin sie gehörte: in die Dresdner Stadtverwaltung. Damit beginnt wieder ein neues Kapitel ihrer tra-ditionsreichen Geschichte.

Freiwillige Feuerwehren der Stadt Dresden
Von der Bildung der Freiwilligen Turnerfeuerwehr im Jahre 1863 bis zum heutigen Tage haben diese Feuerwehren einen bedeutenden Beitrag zum Schutz der Bürger von Dresden geleistet. Genau wie die Berufsfeuerwehr haben auch die Freiwilligen Feuerwehren eine bewegte Geschichte im Wandel der Zeiten erlebt.
Durch das mehr oder weniger Wachsen der Stadt und den Eingemeindungen wurden Freiwillige Feuerwehren aufgelöst oder gründeten sich wieder neu. Auch die Führungsstruktur änderte sich im laufe der Jahre mehrmals. Zum jetzigen Zeitpunkt sind 22 Wehren bei der Berufsfeuerwehr angegliedert, der Leitende Direktor der Berufsfeuerwehr ist gleichzeitig Gemeindewehrleiter.
Die Freiwilligen Feuerwehren sind ein nicht wegzudenkender Sicherheitsfaktor im Brandschutz sowie bei technischen Hilfeleistungen in der Stadt Dresden.
Zu einem Höhepunkt des Jahres 1992 gestaltete sich die Inbetriebnahme des neuerbauten Feuerwehrhauses der Freiwilligen Feuerwehr Dresden - Gorbitz. Damit erhielt diese Feuerwehr eines der modernsten Gerätehäuser Sachsens und es wurde der erste einer Reihe geplanter Neubauten für die Dresdner Feuerwehren seiner Bestimmung übergeben. Im Rahmen des Brandschutzkonzeptes der Stadt Dresden konnte in den letzten Jahren der Standart der Gerätehäuser, die Fahrzeugtechnik und Ausrüstung wesentlich erhöht werden.
Die Arbeit und das Engagement der Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Dresden ist nicht hoch genug einzuschätzen. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit stellen sie einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit für Einsätze, Ausbildung und Wartung ihrer Fahrzeuge und Geräte und damit dem Allgemeinwohl der Bürger unserer Stadt zur Verfügung. Bei vielen Bränden und technischen Hilfeleistungen haben sie sich mit Fachkenntnis und hoher Einsatzbereitschaft bewährt und stellen an der Seite ihrer Berufskollegen den Brandschutz vor allem in den Stadtrandbereichen und großen Neubaugebieten sicher. Ein wichtiger Bestandteil der Tätigkeit der Freiwilligen Feuerwehren ist ihre Arbeit mit den Jugendfeuerwehren, die auch für die Berufsfeuerwehr Dresden in Bezug auf die Nachwuchssicherung eine bedeutende Rolle spielen. All das verdeutlicht den hohen Stellenwert der Freiwilligen Feuerwehren in der Sächsischen Landeshauptstadt.



Entwicklung der Einsatzfahrzeuge der Dresdener Berufsfeuerwehr seit den fünfziger Jahren

In den fünfziger Jahren entwickelte sich in der DDR eine eigene Nutzfahrzeugindustrie, die auch mit Feuerlöschgeräteherstellern zusammenarbeitete. Es entstanden die ersten, nach den Technischen - Güte - und - Lieferbedingungen (TGL) ausgerüsteten Feuerwehrfahrzeuge. So konnten die alten Löschfahrzeuge (manche dienten nur als Ersatzteilspender), schrittweise durch neue Lösch- bzw. Sonderfahrzeuge ersetzt werden.
Als Feuerwehrfahrzeuge kamen die Löschfahrzeuge 15 (LF 15) und Tanklöschfahrzeuge 15 (TLF 15) auf dem Fahrgestell des IFA H3A zum Einsatz. Das TLF 15 hatte z. B. eine Leistung von 80 PS, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Dabei wurden noch 2000 Liter Wasser in einem eingebauten Tank mitgeführt. Sie wurden später durch die etwas leistungsstärkeren S 4000 bzw. S 4000-1 ersetzt. Die Einheitlichkeit der mitgeführten und genormten Geräte und Armaturen war für die Ausbildung und den Einsatz von Vorteil.
Neben den genormten Löschfahrzeugen kamen auch Sonderfahrzeuge auf die Feuerwachen. So erhielt die Feuerwache 1 (Neustadt), für die technische Hilfeleistung verantwortlich, einen Gerätewagen (GW), sowie einen Kranwagen 5 Mp (KW 5). Auf der Feuerwache 3 (Striesen), in der sich das zentrale Schlauchlager befindet, wurden zwei Schlauchwagen für A- und B-Schläuche bereitgestellt, um eine Wasserversorgung über längere Wegstrecken zu gewährleisten (z.B. Brände in der Dresdner Heide). Ebenso wurde hier ein Rettungsgerätewagen (RTGW), ausgerüstet mit Geräten zur Rettung von Personen und Tieren, die in Not geraten sind, eingeklemmter Personen und bei Wasserunfällen, stationiert.
Anfang der 60er Jahre erhielt die Feuerwache 4 (Löbtau) eine Atemschutzwerkstatt. Fahrzeuge unterschiedlichen Typs wurden nun zentral als Atemschutzgeräteträger zu größeren Einsätzen dirigiert.
Jede Feuerwache erhielt einen Rettungswagen (RTW), um bei größeren Einsätzen die Eigensicherung der Kollegen zu gewährleisten. Der RTW kam ebenso bei Gasunfällen, großen Verkehrsunfällen und anderweitig in Not geratenen Personen und im Zusammenwirken mit anderen Institutionen zum Einsatz.
Auf allen vier Feuerwachen (Neustadt, Radebeul, Striesen, Löbtau) waren nun ein Löschfahrzeug (LF 16), ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16), eine Drehleiter (DL 30) und ein Rettungswagen (RTW) stationiert. Verschiedene Führungsfahrzeuge bzw. Einsatzleitwagen, die bei größeren Einsätzen den Führungspunkt bildeten, erweiterten den Fahrzeugpark der Dresdner Feuerwehr. So waren Fahrzeuge der Typen: Steyer, Opel P6, Horch, EMW, Wartburg-Kübel, GAS und Barkas B 1000 im Dienst. Drei Nachrich-tenfahrzeuge unterschiedlichen Typs und aus ehemaligen Armeefahrzeugen umgebaut, unterstützen die o.g. Führungsfahrzeuge bei größeren Einsätzen. Drahtgebundene Nachrichtenübermittlung sparte den Einsatz von Feuerwehrkräften, die als Melder fungieren, eine Lautsprecheranlage konnte die Bevölkerung vor Gefahren warnen. Mit dem Einzug der Funktechnik bei der Feuerwehr und dem Einsatz von Handsprechfunkgeräten wurden diese Fahrzeuge außer Dienst gestellt.
Zahlreiche Spezialanhänger wie zum Beispiel der Schaumbildneranhänger 4.5 (SBA 4.5), der Beleuchtungsanhänger 3 kVA (BLA 3), der Stromgeneratoranhänger oder der Ventilatorenanhänger 60 (VTA 60) rundeten den Fahrzeugbestand auf allen vier Feuerwachen, je nach Unterstellmöglichkeiten ab.
Im Durchschnitt verblieb ein Löschfahrzeug 8 Jahre bei der Berufsfeuerwehr Dresden im Einsatz, bevor ein neues Fahrzeug in Dienst gestellt wurde. Die verschlissenen Fahrzeuge wurden einer Generalüberholung zugeführt und gingen danach in den Bestand der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr über.
Eine Großstadt wie Dresden hatte auch das "Privileg" einige besondere Feuerwehrfahrzeuge im Bestand zu haben. So gehörte das Tanklöschfahrzeug 15 (TLF 15) vom Typ G 5, 3-achsig dazu. Dieses TLF war vorzugsweise für alle Großstädte, sowie für den Einsatz auf Flugplätzen vorgesehen. Mit einer Vorbaupumpe (1500 l/min), 2500 l Wassertank, 200 l Schaumtank, Schnellangriffseinrichtung, Allradantrieb und 120 PS Motor war dieses TLF das erste in der DDR gebaute Fahrzeug, dass auch aus der Bewegung heraus mit einem festmontierten Wendestrahlrohr die Brandbekämpfung durchführen konnte. In diesem Zusammenhang sei ebenso das Wasserfördergerät 32 (WFG 32) erwähnt. Dieses Gerät, ein auf einem einachsigen Anhänger montiertes, verkleinertes Strahltriebwerk (150 PS, 3200 l/min), verbunden mit einer Feuerlöschkreiselpumpe, die einen maximalen Förderstrom von 3200 l/min erreichen konnte, stellte eine Neuerung der DDR-Feuerlöschindustrie dar. Die sehr hohen Selbstkosten führten jedoch 1975 zur Außerdienststellung und Verschrottung.
Sonderfahrzeuge wie beispielsweise Drehleitern, Gerätewagen, Kranwagen, Rettungsgerätewagen und Schlauchwagen blieben über die Durchschnittszeit in Dienst. Die letzte der vier Drehleitern (Magirus Deutz/Metz) Baujahr 1935, mehrmals umgebaut, ging 1968 auf der Feuerwache Radebeul außer Dienst.
Im Jahre 1968 erfolgte die schrittweise Neuausrüstung mit Lösch- und Sonderfahrzeugen vom Typ IFA W 50 (125 PS). Hinzu kam der Barkas B 1000 (42 PS) als Einsatzleitfahrzeug, Rettungswagen und kurzzeitig als Vorausfahrzeug. Die ersten Fahrzeuge auf W 50 Basis waren Drehleitern (DL 30) und Tanklöschfahrzeuge (TLF 16). Diese Fahrzeuge, im Grundtyp alle gleich genormt, einschließlich des Löschfahrzeuges 16 (LF 16), waren für diese Zeit moderne Einsatzfahrzeuge. Leider konnte man dies über die Fahrzeuge, die als Schlauchwagen, Gerätewagen und Rettungsgerätewagen ausgerüstet waren, nicht sagen. Die ersten ökonomischen Engpässe der DDR schlugen sich in der mangelnden Ausrüstung dieser Fahrzeuge nieder. Der Gerätewagen (GW), ausgerüstet mit Spill (Zugkraft 4 t) und Winden für Straßenbahnhilfeleistung, wurde z.B. durch ein Kofferfahrzeug ersetzt, auf dem weder das eine, noch das andere vorhanden war und das in einer Stadt, in der Straßenbahnhilfeleistungen, bedingt durch das dichte Straßenbahnnetz, mit der Menschenrettung zum Image der Feuerwehr gehören. Ein spezielles Hebegerät für Tatra-Triebfahrzeuge und Beiwagen wurde selbst gebaut, da die Industrie keine Ausrüstung für derartige Rettungsgeräte anbot.
Aufgrund der teilweise unzureichenden Löschwasserversorgung erhielt die Dresdner Berufsfeuerwehr 1980 ein Großtanklöschfahrzeug vom Typ TLF 32 / Tatra 148, später wurde dieses Fahrzeug durch ein TLF 32 / Tatra 815 mit 8000 l Wasser-Vorrat und 800 l Schaumbildner ersetzt.
Auf Weisung der Hauptabteilung Feuerwehr des Mdl wurde in den Berufsfeuerwehren der DDR und damit auch in Dresden die sogenannte, taktische Einheit, bestehend aus einem Lösch- und einem Tanklöschfahrzeug in Verbindung mit anderen Sonderfahrzeugen, eingeführt und bildete den Grundstock für verschiedene Einsatzvarianten.
Nach der Wende 1989 setzte eine weitere Modernisierung der Sonderfahrzeuge der Feuerwehr ein. Mit der Übernahme des Rettungsdienstes in das Brandschutz- und Rettungsamt Dresden kamen neue Rettungs- und Notarztwagen vom Typ Mercedes in Dienst.

1992 wurde ein neuer Rüstwagen 2 (RW 2, Mercedes/Metz) bereitgestellt. Mit hydraulischem Rettungsgerät, wie Spreizer und Schneider, oder Ölbindemitteln und Gasspürgerät ist er eine echte Bereicherung bei der Beseitigung der Folgen von Unfällen und Havarien. Im selben Jahr ging auch eine moderne
Drehleiter DL 23/12 (Mercedes/Metz) für die Feuerwache 1 in Dienst. Mit der computergesteuerten Hydraulik der Leiter ist eine Fehlbedienung nahezu ausgeschlossen und durch den Arbeitskorb haben sich die Arbeitsbedingungen und die Sicherheit für Feuerwehrleute wie zu rettende Personen wesentlich verbessert.
Um auch bei Umwelteinsätzen gewappnet zu sein wurde 1992 ein W 50 Werkstattwagen in Eigeninitiative zum Gerätewagen - Umweltschutz (GWU) umgebaut.

Im Jahre 2008 gingen die letzten in der DDR gebauten Lösch- und Sonderfahrzeuge vom Typ W 50 außer Dienst. Als letzte Fahrzeuge wurden zwei LKC (Lastkraftwagen – Container) und je ein Tank –und Löschfahrzeug ausgemustert. Die IG Feuerwehrhistorik Dresden bemüht sich aber um den Erhalt eines kompletten W 50 Löschzuges.

Rettungsdienst der Dresdner Berufsfeuerwehr

Um die Jahrhundertwende erfolgte schrittweise der Einstieg der Dresdner Berufsfeuerwehr in den Sanitäts- und Krankentransportdienst. Im Laufe der Entwicklung wurden erst pferdebespannte Krankentransportkutschen eingesetzt, die dann nach und nach durch Sanitäts- und Kraftfahrzeuge ersetzt wurden. So standen der Feuerwehr 1917 bereits vier pferdebespannte Krankentransportkutschen, zwei Kraftsanitätswagen und fünf Krankenwagen zur Verfügung. Feuerwehrleute wurden für den Sanitätsdienst ausgebildet. Aufgrund Ihrer hohen physischen Belastbarkeit und der durch den Feuerwehrdienst großen Einsatzerfahrung und Schnelligkeit sowie hohen Organisationsgrad waren sie einer der Hauptträger des städtischen Rettungswesens. Auf der Dürerstraße entstand eine große Wache der Berufsfeuerwehr, die ausschließlich für den Krankentransport- und Sanitätsdienst zuständig war. (Diese Wache wurde im 2. Weltkrieg durch Bombenangriffe total zerstört).
Durch die flächendeckende Einführung von Stadtgas stiegen auch die Anzahl der Gas-Unglücksfälle drastisch an. Auch hier wusste die Feuerwehr Rat, es wurden Motorräder mit Beiwagen angeschafft. Drei Feuerwehr-Sanitätsmänner, ausgerüstet mit der notwendigen Rettungs-Sanitätsausrüstung, fuhren zu Gas-Einsätzen, das war natürlich bei Frost- und Regenwetter kein Vergnügen. Aber da in den 20er Jahren auch die Löschfahrzeuge noch keine Mannschaftskabinen besaßen, waren es die Sanitäter der Feuerwehr gewohnt, mit diesen Wetterbedingungen fertig zu werden. Auf alle Fälle stellte diese Einsatzform eine echte Neuerung dar.
Im 3. Reich wurde durch viele Gesetze und Verordnungen, insbesondere durch das Luftschutzgesetz von 1935, das Organisations- und Struktursystem der Dresdner Feuerwehr verändert. Die Unterstellung zur Polizei und das teilweise Herauslösen des Krankentransport- und Sanitätsdienstes aus der Feuerwehr, diente der Stärkung der Polizei sowie zum weiteren verstärkten Einsatz für den Luftschutz.
Am 1. Juli 1947 wurde der Feuerwehr wieder der Krankentransportdienst übertragen. Mit viel Eigeninitiative wurden in eigener Regie die durch Kriegseinwirkungen zerschlissenen bzw. zerstörten Sanitätsfahrzeuge repariert und zum Einsatz gebracht.
Nachdem 1950 die Feuerwehr erneut der Polizei unterstellt wurde und der Aufbau nach sowjetischen Richtlinien erfolgte, kam es wiederum zu einer Herauslösung des Krankentransport- und Sanitätsdienstes und zur Übergabe an andere Rechtsträger, die später als "Dringende bzw. Schnelle medizinische Hilfe" des Gesundheitswesens der DDR benannt wurde.

Unabhängig davon war auf jeder der vier Dresdner Feuerwachen je ein Rettungstransportwagen vom Typ "Garant" und später "B 1000" stationiert. Diese Fahrzeuge stellten eine sinnvolle Ergänzung des Rettungsdienstes dar und wurden zum Eigenschutz der Lösch- und Hilfskräfte sowie zur ersten medi-zinischen Versorgung von Verletzten bei Einsätzen der Feuerwehr eingesetzt.
Wie bereits berichtet wurde am 1. Januar 1991 die "Schnelle medizinische Hilfe" einschließlich der Medizinischen Leitstelle (Notruf 115) gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr zur Stadtverwaltung Dresden in das neugebildete Brandschutz- und Rettungsamt überführt. Wiederum begann eine sehr intensive Strecke der Neuorganisation des Rettungsdienstes der Berufsfeuerwehr Dresden. Große Anstrengungen wurden unternommen, um die Feuerwehrleute zu Rettungssanitätern und -assistenten auszubilden. Die Grundlage dazu bildeten die von der DMH übernommenen Rettungssanitäter und Ärzte. Mit gespendeten bzw. neuangeschafften Notarzt- und Rettungstransportfahrzeugen wird heute durch die BF Dresden, gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Malteser-Hilfsdienst und der Johanniter-Unfallhilfe, der Rettungsdienst in der Landeshauptstadt sichergestellt.
Von 1990 bis 1992 wurden die Rettungshubschrauber von der Bundeswehr und ab Mitte 1992 von der "Deutschen Rettungsflugwacht" gestellt. Das medizinische Personal für die Rettungsflüge wird von der Berufsfeuerwehr bzw. Krankenhäuser vorgehalten.
Durch den hohen Organisationsgrad, der großen Einsatzerfahrung sowie das System der Aus- und Fortbildung ist es innerhalb von zweieinhalb Jahren gelungen, den Rettungsdienst der Dresdner Berufsfeuerwehr stabil und sicher zum Wohle und Schutze ihrer Bürger zu gestalten. Mit dem Neuaufbau der modernen Einsatzleitzentrale der Dresdner Berufsfeuerwehr werden sich auch die Einsatzbedingungen des Rettungs- und Krankentransportdienstes entscheidend verbessern.

Eine vollständige und lückenlose Aufarbeitung der Geschichte des Rettungsdienstes der BF Dresden ist zur Zeit Gegenstand einer Arbeitsgruppe